Zweitmeinung: BDC kritisiert neues Online-Portal

Mit dem Online-Portal vorsicht-operation.de wollen zwölf Experten Patienten die Möglichkeit geben, vor einem operativen Eingriff die Indikation prüfen zu lassen und eine Zweitmeinung vor einer OP einzuholen. Der BDC (Berufsverband Deutscher Chirurgen) hat das Angebot der Mediziner kritisiert und sich gegen die kostenpflichtige Ferndiagnose ausgesprochen. Stattdessen sollen Patienten bei der Suche nach Alternativen unterstützt werden.

Zweitmeinung medizinische Praxis

Folgt man den Äußerungen des BDC, könnte der Eindruck entstehen, dass der Berufsverband das Angebot für überflüssig hält.

Denn in den Augen des Berufsverbandes der Chirurgen ist die Zweitmeinung, wie sie über das neue Online-Portal angeboten wird, bereits in Deutschland Standard und gehört zur medizinischen Praxis. So verweist der BDC darauf, dass sich Patienten vor einem Eingriff bereits heute um eine kostenlose Zweitmeinung bemühen können.

Gleichzeitig kritisiert der Berufsverband Deutscher Chirurgen die Tatsache, dass hier quasi über die Distanz, nur anhand von Fragenkatalogen und Befunden, diagnostiziert und eine Indikation vielleicht sogar in Frage gestellt wird. „Wir operieren Menschen und keine Röntgenbilder“, so BDC-Präsident Hans-Peter Bruch. Es muss vielmehr auch darum gehen, das Umfeld der betroffenen Patienten auszuloten.

Online-Portal soll Patienten helfen

Die Notwendigkeit einer Zweitmeinung stellte der BDC-Präsident allerdings nicht in Frage. Was steckt hinter dem Angebot „Vorsicht!Operation“? Bei den Initiatoren handelt es sich um Experten, die sich an der Flut von Eingriffen im Bereich Schulter, Knie und Rücken stören. Nach Ansicht der Experten hinter vorsicht-operation.de sind einige dieser Eingriffe unnötig und helfen nur dem Arzt, statt die Situation für den Patienten zu verbessern.

Nach dem Ausfüllen eines Fragenkatalogs und dem Einreichen von Befunden (Röntgenbilder, CT- oder MRT-Bilder) stellen die Experten ein Gutachten mit ihrer Zweitmeinung aus. Je nach Fall werden für das Gutachten über das Internetportal zwischen 200 und 600 Euro fällig. BDC-Präsident Hans-Peter Bruch verweist Patienten stattdessen auf die Tatsache, dass viele Krankenkassen bereits heute Kosten für das Einholen der zweiten Meinung bei einem Kollegen das behandelnden Arztes bezahlen – die Zweitmeinung hier also kostenlos ist.

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr