Zusatzbeitrag: Kassen wollen Beitrag pfänden

Der Wind wird für einige Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung rauer. Wie die „Bild“ am Dienstag mitteilt, bereiten Krankenkassen das Eintreiben säumiger Zusatzbeiträge vor. Wie das Tageblatt berichtet, sollen die Daten seitens der gesetzlichen Krankenversicherer an die zuständigen Hauptzollämter übergeben und der Zusatzbeitrag mit Nachdruck eingetrieben werden. Die Zahl der Betroffenen geht in die Hunderttausend.

Krankenkassen ziehen Daumenschrauben an

Wer bislang den Zusatzbeitrag seiner Krankenversicherung säumig geblieben ist, wähnte sich in Ruhe. Damit könnte jetzt aber Schluss sein. Glaubt man dem Bericht, der „Bild“, wartet, auf die säumigen Beitragszahler bald eine unangenehme Überraschung.

Denn die Krankenkassen betrauen dem Pressebericht zufolge die Hauptzollämter mit der Sache. Was dies unter Umständen für den Einzelnen heißt, lässt sich an fünf Fingern abzählen. Unangenehmer Besuch oder – was für viele sicher noch weitaus schlimmer ist – die Pfändung des Gehalts.

In letzterem Fall erfahren schließlich auch Dritte, wie der Arbeitgeber oder die Bank, was die Uhr geschlagen hat. Diese Gefahr sollte man als Verbraucher keinesfalls unterschätzen. Denn anders als im privatrechtlichen Rahmen müssen die Krankenkassen der gesetzlichen Krankenversicherung keinen gerichtlichen Titel gegen den Schuldner erwirken. Ein Punkt, der vielen Versicherten wahrscheinlich nicht bekannt ist. Und schnell zum unangenehmen Klotz am Bein werden kann.

Zusatzbeitrag für Finanzierungslücken

Den Zusatzbeitrag verlangt bislang nur etwa jede zehnte der rund 150 Krankenkassen. Darunter sind unter anderem die DAK (Deutsche Angestellten Krankenkasse) oder die City BKK. Wie hoch die Außenstände der gesetzlichen Krankenversicherungen sind, lässt sich nur erahnen. Allein in der DAK sollen derzeit mehr als 200.000 Beitragszahler den Zusatzbeitrag nicht an die Kasse überwiesen haben – von 4,6 Millionen Mitgliedern. Das Problem: Anders als der Beitrag in Höhe von 8,2 Prozent werden die Zusatzbeiträge nicht direkt vom Arbeitgeber einbehalten.

Probleme könnten in Zukunft zunehmen

Bislang scheint nur eine Minderheit der gesetzlich Krankenversicherten von der Pfändung des Zusatzbeitrags betroffen. Wie sich angesichts der aktuellen Finanzlage in der GKV das Bild aber weiterentwickelt, lässt sich schwer einschätzen. 2010 lag das Defizit der Krankenkassen bei fast einer halben Milliarde Euro. Ob und wann die nächste gesetzliche Krankenversicherung zum Zusatzbeitrag greift, scheint nur noch eine Frage der Zeit.

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