Zusatzbeitrag: immer mehr Krankenkassen verzichten

Fast alle Krankenkassen, die derzeit einen Zusatzbeitrag verlangen, wollen diesen im Laufe des Jahres abschaffen. Dies hat das Nachrichtenmagazin Focus durch eine Befragung von 138 gesetzlichen Krankenversicherungen ermittelt. Noch vor einem Jahr erhoben 13 Anbieter einen Zusatzbeitrag. Die Zahl ist bereits auf acht gesunken. Grund ist die verbesserte Finanzlage der Krankenversicherungen.

Focus-Bericht

Laut Focus wollen die KKH-Allianz ab März, die DAK Gesundheit sowie die Betriebskrankenkassen (BKK) advita und Phoenix ab April und die BKK Merck ab Juli keinen Zusatzbeitrag mehr fordern. Dem Nachrichtenmagazin zufolge haben lediglich die KKH-Allianz und advita eine entsprechende Genehmigung.

Ein pauschaler Zusatzbeitrag darf erhoben werden von Krankenkassen, für die das Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht ausreicht. Den Mehrbeitrag müssen die Versicherten allein zahlen. Einige Krankenkassen, die einen Zusatzbeitrag verlangt hatten, mussten schließen, darunter die City BKK und die BKK für Heilberufe.

Focus zufolge ist bei neun Krankenkassen die Finanzlage so gut, dass sie an die Versicherten Prämien auszahlen. Von diesem Privileg konnten im Jahr zuvor die Mitglieder von sieben Anbietern profitieren. Aufgrund der verbesserten Arbeitsmarktsituation und Einsparungen bei den Arzneimittelausgaben gab es 2011 Milliardengewinne bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Allein in den ersten neun Monaten des letzten Jahres ergab sich ein Überschuss von rund 3,9 Milliarden Euro.

Aufgrund dieser Entwicklung hatten einige Experten nicht nur mit einer Abschaffung der Mehrbeiträge, sondern auch mit einer Senkung der allgemeinen Beiträge gerechnet. Gesundheitsminister Daniel Bahr sprach sich im Dezember 2011 jedoch dagegen aus. Laut Bahr soll der gesetzlichen Krankenversicherung das finanzielle Polster zur Verfügung stehen, um eventuelle künftige finanzielle Engpässe ausgleichen zu können.

Blick in die Zukunft

Die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) geht davon aus, dass der Zusatzbeitrag nach dem Wahljahr 2013 wieder eingeführt wird. Laut VZBV-Gesundheitsexpertin Ilona Köster-Steinbach werden sich für die Anbieter gravierende Mehrkosten ergeben.

Der Wegfall eines Zusatzbeitrags ist mit Risiken verbunden. Die Frankfurter Rundschau gibt zu bedenken, dass sich viele Mitglieder der jeweiligen Kassen bereits an den Mehrbeitrag gewöhnt haben. Werde dieser abgeschafft und später wieder eingeführt, so könne es zu einem erneuten Mitgliederrückgang kommen.

Viele gesetzlich Versicherte, die dieses Jahr finanziell entlastet werden, müssen ab 2013 voraussichtlich wieder höhere Kosten auf sich nehmen.

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