Wenn die private Krankenversicherung zur Kostenfalle wird

05.12.2011: In den vergangenen Tagen wurde immer wieder über die Beitragsanpassungen berichtet. Speziell die Central musste immer wieder massiv Kritik einstecken, da sie zum 01.01.2012 in einigen Fällen den Beitrag für die PKV wohl um 40 Prozent anheben wird. Abseits dieser Berichterstattung lohnt sich aber der Blick auf die gesamte Branche, denn wie eine Analyse von Morgen&Morgen zeigt, muss rund die Hälfte der Tarife in der PKV im Beitrag verändert werden.

Im Durchschnitt moderate Anpassung

Allerdings sind diese Anpassungen alles andere als so hoch wie in den immer wieder zitierten Versicherungsgesellschaften, deren Beitragsanpassung zum Beispiel bei der Central Krankenversicherung durchschnittlich bei 12,9 Prozent liegen.

Im Gegenteil – bei Frauentarifen steigen die Prämien 2012 um 3,6 Prozent, bei den Männern dagegen um 5,1 Prozent. Insofern liegt die Branche sogar unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre, einige Versicherer haben die Prämie sogar leicht gesenkt.

Allerdings darf diese Entwicklung nicht darüber hinwegtäuschen, dass die private Krankenversicherung auf eine Krise zusteuert. Denn dass sich die Kostenspirale nicht weiter dreht, scheint für viele Experten nur ein Wunschtraum der Versicherten. Es sind aber nicht nur Gründe, welche die Versicherer immer wieder anführen, die Anpassungen nach sich ziehen. Fakt ist zwar, dass die Ausgaben für Behandlungen beim Arzt oder im Krankenhaus steigen – schließlich haben im Abrechnungsjahr 2009/2010 die Kosten laut PKV-Verband 4,6 Prozent höher gelegen. Aber sie lassen sich nicht allein für die Anpassungen verantwortlich machen.

Niedriges Zinsniveau und Fehlkalkulation

Was derzeit die Situation deutlich verschärft, sind die niedrigen Zinsen, welche die Versicherer für ihr Kapital an den Märkten erhalten. Damit haben die privaten Krankenversicherer ähnliche Probleme wie die Lebensversicherungen. So hält Manfred Poweleit von map-report fest, dass in einigen der Unternehmen die so wichtigen Kapitalerträge gesunken sind.

Darüber hinaus haben sich in den Augen vieler Experten – unter anderem des BdV (Bund der Versicherten; Bund der Versicherten e. V., Tiedenkamp 2, 24558 Henstedt-Ulzburg) – die Unternehmen mit den Einstiegstarifen verkalkuliert. Statt Versicherte schnell in höherwertige Tarife umzuleiten, haben es sich die Privatversicherten hier gemütlich gemacht und sprengen damit die Kalkulationen der PKV.

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