Weniger Vollversicherte bei der PKV, aber auch mehr Krankenzusatztarife

Von Januar bis Juni 2012 mussten die privaten Krankenversicherungen bei den Krankenvollversicherungen einen leichten Rückgang hinnehmen. Die gesetzlichen Krankenversicherungen erreichten im gleichen Zeitraum eine historische Mitgliederzahl von 52,3 Millionen Menschen. Aber auch die PKV kann bei den Zusatzversicherungen einen Anstieg vermelden.


Sinkende Mitgliederzahlen in der PKV

Laut den kürzlich veröffentlichten Zahlen vom Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) hat die Mitgliederzahl der privat Versicherten in der ersten Hälfte des Jahres 2012 leicht abgenommen. Sie sank um 15.300 Mitglieder beziehungsweise um 0,17 Prozent. Damit konnten die privaten Krankenversicherungen den positiven Trend der vergangenen Jahre nicht weiter fortsetzen. Im Jahr 2011 stieg die Anzahl der Vollversicherten in einer PKV noch um 80.900 Personen im Vergleich zum Vorjahr. Zum 31. Dezember 2011 waren somit 8,976 Millionen Menschen bei einer privaten Krankenversicherung vollversichert. Ende des ersten Halbjahres 2012 lag die Zahl nur noch bei 8,961 Millionen Mitgliedern. Im selben Zeitraum konnte die gesetzliche Krankenversicherung mit 52,3 Millionen Menschen einen neuen Mitgliederrekord vorweisen.

Die TK kann mit Prämien locken

Die Gründe für die Entwicklung sind vielfältig. Eine mögliche Erklärung für den Mitgliederzuwachs bei der GKV könnten die angekündigten Prämienzahlungen bei einigen Versicherungen sein. Vor allem die Techniker Krankenkasse (TK) konnte hiervon profitieren. Bei ihr haben sich seit Beginn des Jahres rund 206.000 Menschen ihren Versicherungsschutz gesucht. Die TK hat als erste Kasse, die einen Teil ihrer Überschüsse an ihre Mitglieder auszahlen möchte, für Schlagzeilen gesorgt. Auch die BKK Wirtschaft & Finanz konnte mit ihrem Versprechen, 72€ an jedes Mitglied zu zahlen, einen Zuwachs von etwa 20 Prozent verzeichnen.

Beitragssteigerungen verunsichern Privatversicherte

Ein Grund für die gegensätzliche Mitgliederentwicklung bei den privaten Krankenversicherungen könnten die Berichte über die zu hohen bzw. sich weiter erhöhenden PKV-Beiträge sein. Vergangene Woche sorgte die Meldung für Schlagzeilen, dass einige Versicherungen ihre PKV-Beiträge ab 2013 auf bis zu 41 Prozent erhöhen werden. Auch wenn diese extreme Steigerung nicht der Normalfall ist, verunsichert er doch viele privat Versicherte, da nicht klar ist, ob, wann und in welcher Höhe die Beitragssteigerungen im eigenen Tarif fällig werden. Jedoch sollte man bedenken, dass es sich bei dem Rückgang der PKV-Mitglieder lediglich um eine leichte Veränderung handelt und der Marktanteil mit 11,4 Prozent weiter stabil bleibt.

Auch 2012 mehr Krankenzusatzversicherungen

Ein weiterer Trend kommt den privaten Versicherern zugute. So erhöhte sich der Anteil der privaten Krankenzusatzversicherungen. Vor allem bei den Zahnzusatzversicherungen konnte die PKV punkten, dank der eingeschränkten Leistungen bei den gesetzlichen Versicherungen. In der ersten Hälfte dieses Jahres wurden rund 91.100 neue Zahnzusatzversicherungen abgeschlossen.

Dass im gleichen Zeitraum weniger Pflegezusatzversicherungen abgeschlossen wurden, sieht der Verband der Privaten Krankenversicherung im Abwarten der Kunden begründet. Zum einen treten am 21. Dezember 2012 die sogenannten Unisex-Tarife in Kraft. Vor allem für Frauen könnten Krankenzusatzversicherungen etwas günstiger werden. Außerdem wird der sogenannte Pflege-Bahr, also die staatliche Förderung der Pflegezusatzversicherung eingeführt. Ab 2013 erwartet der PKV einen deutlichen Anstieg der Policen.

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