Weniger Operationen: Krankenkassen loben Pläne der Koalition

Nachdem Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) in dieser Woche angekündigt hat, die Zahl der Operationen in rund 2.000 deutschen Krankenhäusern begrenzen zu wollen, loben die Krankenkassen die Pläne der Koalition.

Kassen begrüßen Pläne der Bundesregierung

Die gesetzlichen Kassen unterstützen das Vorhaben des Gesundheitsministers, unnötige Operationen in deutschen Kliniken einzudämmen. Bahr hatte am Dienstag gegenüber der Rheinischen Post gesagt, Deutschland gelte als Weltmeister bei den künstlichen Knien und Hüften, doch sowohl die Krankenkassen als auch medizinische Experten bezweifelten, ob die stetig steigenden Operationszahlen tatsächlich notwendig seien. Die Bundesregierung wolle prüfen, wie die steigenden Fallzahlen in den rund 2.000 deutschen Kliniken durch ökonomische Anreize reduziert werden könnten, kündigte er an.

Zweifelhafte Operationen reduzieren

Die gesetzlichen Krankenkassen reagierten mit Zustimmung auf die Pläne der Koalition. Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, in den Krankenhäusern gebe es eine unnötige Steigerung der Behandlungszahlen. Aus diesem Grund sei es gut, dass der Gesundheitsminister das Problem angehen wolle.

Eckpunkte zur Krankenhausfinanzierung

Um die Zahl der Operationen zu begrenzen, beschloss Bahr am Mittwoch gemeinsam mit den Fraktionen von Union und FDP eine Einführung von zweijährigen Mehrleistungsabschlägen. Bei stark steigenden Behandlungszahlen werden die Kliniken künftig Abschläge bei der Bezahlung hinnehmen müssen, so das Vorhaben. Bisher gab es jedoch noch keine Einigung der Koalition, zu welchem Zeitpunkt die geplanten Abschläge eingeführt werden sollen.

Rund 400.000 Knie- und Hüftimplantate

Im Jahr setzen deutsche Ärzte ihren Patienten fast 400.000 neue Hüft- und Kniegelenke ein, die Tendenz ist stark steigend. Gern versuchten die Kliniken, diese drastisch steigenden Leistungsmengen mit der älter werdenden Bevölkerung zu erklären, sagte GKV-Verbandssprecher Lanz. Jedoch sei nur ein Drittel aller zusätzlichen Leistungen tatsächlich durch den demographischen Wandel bedingt. Nach Meinung der gesetzlichen Krankenkassen ist die Hälfte der Zuwächse bei den zuletzt auf 62 Milliarden Euro gestiegenen Krankenhauskosten auf wenige Operationen zurückzuführen. Vor allem das Einsetzen künstlicher Gelenke, Wirbelsäulenoperationen und Herzeingriffe sind kostspielig für die Krankenkassen.

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