VZBV: Private Krankenversicherung Tarife 2012 deutlich teurer – Kritik wächst

 

Berlin, 04.04.2012: Die Kritik an der Privaten Krankenversicherung reißt nicht ab. Die Verbraucherschutzzentralen (VZBV) sprechen von Beitragserhöhungen von bis zu 60%. Im Schnitt stiegen die Beiträge bei den PKV Versicherten um 23,9%. Auch der Wechsel in günstigere Tarife gestaltete sich bei nur 4 von 104 Versicherten problemlos.

Lange Zeit galt es als Segen, Mitglied in einer privaten Krankenversicherung zu sein. Keine Wartezeiten, Chefarztbehandlung und in einigen Facharztpraxen ist es sogar die einzige Möglichkeit, überhaupt behandelt zu werden.

Nun kommt die PKV wieder in die Kritik, vor allem aufgrund von Beitragserhöhungen und die waren vor allem im letzten Jahr laut Verbraucherzentrale (VZBV) enorm. Die Verbraucherschützer werteten in den vergangenen drei Monaten etwa 140 Beschwerden von privat Versicherten im gesamten Bundesgebiet aus. Dabei wurde laut Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, deutlich, dass es vor allem Probleme durch Beitragserhöhungen und mit dem Wechsel in einen günstigeren Tarif der privaten Krankenversicherung gab. Der Bericht der Verbraucherzentrale zeigt, dass es sich bei den Beitragserhöhungen zum Jahreswechsel 2011 / 2012 um durchschnittliche Anstiege von 23,9 Prozent handelt. Ein Versicherer hat seine Gebühren teilweise sogar um 60 Prozent erhöht.

Vor allem für ältere Versicherte, die besonders häufig davon betroffen sind, können derartige Beitragserhöhungen existenzbedrohend sein. So betrug in einem Fall der neue monatliche Beitrag einer 59-Jährigen 1095 €.

 

Der Wechsel zurück in die GKV ist schwierig und sollte gut überlegt werden

Da ist der Wunsch, zurück in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln nachvollziehbar. Dies ist allerdings nicht einfach. So ist die für privat versicherte Arbeitnehmer ein Wechsel nur möglich, wenn sie unter der Versicherungspflichtgrenze fallen. Diese liegt derzeit bei 50.850 € wird jedoch jedes Jahr erhöht.

Auch für Selbstständige ist es schwer, wieder zurück in die gesetzliche zu gelangen. Einzige Möglichkeit ist die Geschäftsaufgabe. Wer verheiratet ist, kann sich unter Umständen über den Ehepartner künftig familienversichern lassen. Ledige können jedoch nur dann wechseln, wenn sie wieder als Angestellter arbeiten und der Lohn unter der Versicherungspflichtgrenze liegt.

Für Privatversicherte ab 55 Jahre ist ein Austritt aus der privaten Versicherung nur noch in Einzelfällen möglich, für Rentner ist er gänzlich ausgeschlossen. Abgesehen davon, dass die gesetzliche Versicherung für diesen Personenkreis geschlossen bleibt, ist auch ein Wechsel in eine andere private Versicherung nicht ratsam. Private Krankenkassen bilden für ihre Mitglieder Rücklagen für das Alter. Diese Rückstellungen gehen jedoch bei einem Wechsel verloren und der Versicherte müsste in der neuen Versicherung mit viel höheren Beiträgen rechnen.

 

Beitragserhöhung sind doch nicht so stark, wie behauptet

Der Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung, Volker Leienbach, weißt die Vorwürfe der Verbraucherzentrale zurück.

Schon beim Vergleich der Zahl der 144 Beschwerden, welche ausgewertet wurden, mit der Zahl der privat Versicherten (9 Mio. Privatvollversicherte), wird klar, dass die Erhebung alles andere als repräsentativ ist.

Auch zur Beitragserhöhung gibt es weitere Studien, beispielsweise vom unabhängigen Branchen-Analysedienst „Morgen & Morgen“. Diese haben herausgefunden, dass es bei 45 Prozent der PKV-Tarife im Jahr 2012 überhaupt keine Beitragserhöhung gegeben hat.

Im Durchschnitt wurden die Tarife zum Jahreswechsel um rund zwei Prozent angehoben. Betrachtet man die Preissteigerung seit 1997, gab es eine jährliche durchschnittliche Beitragssteigerung von knapp 3,3 Prozent, wie die Deutsche Aktuarvereinigung berechnet hat. Die gesetzlichen Krankenkassen haben im gleichen Zeitraum ihre Beiträge um 3,1 Prozent erhöht.

 

Betroffene haben die Möglichkeit, den Tarif zu wechseln

Die Versicherten, die tatsächlich von einer starken Beitragserhöhung betroffen sind, müssen jedoch nicht tatenlos zusehen. So haben alle, die älter als 65 Jahre sind und seit 10 Jahren in der PKV sind, die Möglichkeit in den günstigen Standardtarif zu wechseln. Beitragszahler, auf die dies nicht zutrifft, können ebenfalls einen anderen Tarif wählen, der günstiger ist als der Alte. Dazu kann auch kostenlos ein PKV Rechner genutzt werden, um sich einen Überblick über die Preise zu verschaffen.

Für Versicherte, die hilfebedürftig sind, also beispielsweise ALG II Empfänger, oder Rentner, die die hohen Kosten nicht allein zahlen können, haben die Möglichkeit, bei Ihrem Versicherer den Basistarif zu wählen. Dieser wird von der Leistungsstelle übernommen. Mehr zum Thema auch unter http://www.krankenversicherung.net/blogbeitrag/items/jobcenter-uebernehmen-pkv-beitraege

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