vzbv: Grundlegende Änderungen innerhalb der PKV notwendig

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände e.V. (vzbv) hat gestern eine bundesweite Stichprobenuntersuchung zu den Beitragserhöhungen und dem Tarifwechsel in der PKV vorgestellt. Die Auswertung von 144 Verbraucherbeschwerden lässt die Verbraucherschützer schlussfolgern, dass eine Reform innerhalb des Systems notwendig ist.

Beitragserhöhungen bis zu 60 Prozent

„Die PKV muss sich bewegen, will sie sich nicht sukzessive selbst abschaffen“, sagte der Vorstand des Bundesverbandes, Gerd Billen, am gestrigen Donnerstag in Berlin. Ein Blick auf die Beschwerden von über 140 Privatversicherten aus den letzten drei Monaten zeigt, dass die Beiträge bei einigen privaten Versicherern noch massiver angestiegen sind als bisher gedacht.

Zum Teil stünden die PKV-Kunden dadurch vor enormen finanziellen Schwierigkeiten, so die Verbraucherschützer. Deren Stichprobe hat ergeben, dass die Versicherungsprämien zum Jahreswechsel durchschnittlich um 23,9 Prozent gestiegen sind. Insbesondere die Central Krankenversicherung und die Gothaer Versicherung fielen mit einer Erhöhung von im Schnitt 28,4 Prozent beziehungsweise 26,4 Prozent negativ auf. Bei der Central wurde sogar eine Erhöhung von 60 Prozent registriert. Vor allem Versicherte über 45 Jahre, die bereits zehn Jahre und länger in der PKV sind, waren laut der Verbraucherzentrale von den Beitragssteigerungen betroffen.

Verbesserungen beim Tarifwechsel gefordert

Die Untersuchung des vzbv bestätigte zudem die bereits bekannte Kritik, dass die privaten Krankenversicherer ihren Kunden den Wechsel in einen günstigeren Tarif erschweren. Schon im März hatte die Verbraucherzeitschrift Finanztest von Stiftung Warentest darauf aufmerksam gemacht, dass vielen privat Versicherten der Wechselwunsch verwehrt wurde.

Obwohl ein Tarifwechselrecht bereits seit 1994 durch den Gesetzgeber vorgeschrieben ist, sperren sich viele PKV-Anbieter gegen das Recht ihrer Kunden. Die Auswertung der Verbraucherbeschwerden ergab beim vzbv, dass bei lediglich 4 von 144 Kunden ein Tarifwechsel ohne größere Probleme durchgeführt werden konnte. Die Verbraucherschützer fordern aus diesem Grund in einem ersten Schritt eine Verbesserung der Wechselmöglichkeiten.

Eckpunkte für verbrauchergerechte Reform der PKV

Als Konsequenz der Ergebnisse aus der bundesweiten Stichprobe hält der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände eine Reform innerhalb der PKV für erforderlich. „Die Folgen einer finanziellen Überforderung der Verbraucher dürfen nicht sozialisiert werden, sondern müssen innerhalb des PKV-Systems gelöst werden“, sagt vzbv-Vorstand Billen.

Als wesentliche Eckpunkte einer Reform schlägt der vzbv die Einführung eines Sachleistungsprinzips, eine Angleichung der Gebühren von GKV und PKV sowie eine Einkommenskomponente bei der Prämienkalkulation innerhalb der PKV vor.

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