Versorgungsstärkungsgesetz: Auch Privatpatienten profitieren

Am gestrigen Donnerstag wurde vom Bundestag ein neues Gesetz beschlossen, das die bessere Versorgung von gesetzlich Krankenversicherten regeln soll. Doch auch Privatpatienten können von den Änderungen profitieren. Denn das sogenannte Versorgungsstärkungsgesetz fördert nun Praxisöffnungen in Regionen, wo Ärztemangel droht. Das ist für alle Versicherten von Vorteil.

Das Versorgungsstärkungsgesetz sieht vor allem Verbesserungen für Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vor. Kassenpatienten mussten bisher häufig lange auf Termine bei Fachärzten warten und konnten häufig nur selten eine Zweitmeinung vor einer Operation einholen. Damit soll mit der neuen Regelung Schluss sein. Für die meisten Privatversicherten sind diese Probleme zwar weitgehend unbekannt. Doch eine der Änderungen trägt auch zur Versorgungssicherheit von Kunden der privaten Krankenversicherung (PKV) bei: Künftig soll es stärkere Anreize für Ärzte geben, sich in Regionen niederzulassen, wo zu wenige Praxen vorhanden sind.

Versorgungsstärkungsgesetz: Vorteile für Kassen- und Privatpatienten

Von den meisten Regelungen, die das Versorgungsstärkungsgesetz vorsieht, profitieren Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen. Sie müssen künftig nicht mehr wochenlang auf einen Termin beim Facharzt warten und sollen auf lange Anfahrtswege zu Medizinern verzichten können. Denn ein Ausbau des Versorgungsnetzes an Ärzten in strukturschwachen Regionen ist eines der Kernziele der Reform. Kommunen können sich aktiv an diesem Prozess beteiligen, indem sie medizinische Versorgungszentren gründen – das Gesetz stellt dafür Gelder zur Verfügung.
Derzeit gibt es zahlreiche Regionen in Deutschland, wo die gesundheitliche Versorgung einiger Menschen aufgrund von Ärztemangel zu wünschen übrig lässt. Dieser Mangel betrifft nicht nur Kassen- sondern auch Privatpatienten.

Versorgungsstärkungsgesetz: Einige Punkte werden kritisiert

Die Neuregelungen, die zum 1. August 2015 in Kraft treten, werden nicht grundsätzlich positiv aufgenommen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kritisiert etwa, dass das Anreizmodell um Ärzte zu motivieren eine Praxis auf dem Land zu eröffnen, nicht durchdacht genug sei. Die Reform sieht neben der Förderung von Ärzten in unterversorgten Regionen auch Verbote zur Eröffnung von Praxen in überversorgten Städten vor. Ganz vergessen werde dabei der Aspekt, dass Arztpraxen in Städten häufig Patienten aus dem Umland mitversorgen, bemängelt Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV.

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