Verbraucherschützer kritisieren kostenpflichtige Zusatzangebote von Ärzten

Eine Umfrage der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) zeigt, dass es bei sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen – kurz IGeL – Defizite gibt. Die Ärzte sollen nach Ansicht der Verbraucherzentrale das Vertrauen der Patienten ausnutzen. Mit vielen Leistungen wird dabei nicht so verfahren, wie es vorgeschrieben ist. Nur jeder Zweite der 1.700 Befragten fühlte sich über den individuellen Nutzen richtig informiert.

1,5 Milliarden Euro verdienen Ärzte durch IGeL

Mit den individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) setzen Arztpraxen nach Schätzungen rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr um. Die beliebtesten Leistungen, die Patienten selbst bezahlen müssen, sind Untersuchungen zur Grüner-Star-Früherkennung, zur Früherkennung des Prostata-Krebses und Ultraschall. Dabei soll bei fast jeder zweiten zusätzlichen kostenpflichtigen Behandlung der Arzthelfer direkt am Verkauf beteiligt sein. Bei der Mehrheit – 82 Prozent – ging die Initiative zudem nicht vom Patienten aus.

Aufklärung über Nutzen und Kosten fehlt bei IGeL

Die Ergebnisse der Umfrage der Verbraucherzentrale Deutschland wiegen deswegen so schwer und führen zu Kritik vonseiten der Verbraucherschützer an den IGeL, da sich die Patienten kaum aufgeklärt fühlen. So wird der Eindruck vermittelt, dass es den Ärzten nur um den reinen Verkauf einer Leistung und somit um Gewinn, statt um das Wohl des Patienten geht. Nur 23 Prozent der Befragten konnten sich an eine Risikoaufklärung erinnern, fast jedem Zweiten blieb der individuelle Nutzen der Behandlung schleierhaft. Ebenso hatten nur 51 Prozent eine ausreichende Bedenkzeit. Eine Kosteninformation erhielt nur jeder Vierte, eine Rechnung nur jeder Fünfte.

Nachbesserung beim Patientenrechtegesetz gefordert

Die Anzahl der IGeL-Arten ist in den letzten Jahren explodiert und soll nun zwischen 300 und 350 Angeboten liegen. Dabei wird der medizinische Nutzen einer individuellen Gesundheitsleistung oft kritisch betrachtet. Mit dem neuen Patientenrechtegesetz, dass 2013 kommen soll, sieht die Bundesregierung eine Stärkung des Patienten als selbstbewussten Beitragszahler vor. Doch durch schwammige Formulierungen haben die Ärzte in Zukunft die Möglichkeit, noch einfacher Selbstzahlerleistungen zu verkaufen. Ein eigentlich notwendiger Behandlungsvertrag ist dann ebenso nicht mehr zu beachten wie die Verpflichtung des Arztes, auf Alternativen zur IGeL hinzuweisen. Daher sieht der Vorstand der Verbraucherzentrale Deutschland, Gerd Billen, dringend Nachbesserungsbedarf: „Die Politik muss Ärzte unmissverständlich verpflichten, Patienten umfassend über das Für und Wider, die Behandlungsalternativen und die Kosten zu informieren.“

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