Unisex-Tarife: Wird die PKV auch für Bestandskunden teurer

[20.12.2011] In diesem Jahr sind die durchschnittlichen Beitragsanpassungen mit 4,4 Prozent sehr gering ausgefallen, in 45 Prozent der Tarife werden gar keine Anpassungen vorgenommen. Lediglich in einigen Ausnahmefällen müssen Versicherungen hohe Beitragsanpassungen zum 01.01.2012 im mittleren zweistelligen Bereich vornehmen. Doch neue Informationen über die Unisex-Tarife dürfte besonders Männern teuer zu stehen kommen, denn nicht nur Neukunden, sondern auch bei Bestandskunden sollen 2013 angepasst werden.

EU-Richtlinie tritt endgültig in Kraft

[Berlin] Bisher waren viele Verbraucher der Ansicht, dass die ab Ende 2012 zur Pflicht werdenden Unisex-Tarife für die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen nur Neukunden betreffen wird.

Jetzt wurde allerdings bekannt, dass Unisex-Tarife vermutlich auch die Bestandskunden berühren. Besonders männliche Versicherte dürften damit im kommenden Jahr hohen Beitragsanpassungen ausgesetzt sein.

Die Einführung der Unisex-Tarife, wurde vom Europäischen Gerichtshof in Luxemburg bereits im Frühjahr 2011 entschieden. Damit wird die bisher noch immer akzeptierte Begründung des Geschlechtes als Risiko- und Kostenfaktor in der Versicherungsbranche zu den Akten gelegt. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (Rechtssache C-236/09) vom 1. März 2011 bezog sich darin auf die bereits 2004 beschlossene EU-Gleichstellungsrichtlinie, die zum 21. Dezember 2007 in Kraft trat. Die Umsetzung der Richtlinie sollte nach fünf Jahren überprüft werden. Die bisher weithin akzeptierten Risikozuschläge für Frauen sind demnach ab dem 21. Dezember 2012 nichtmehr rechtens.

Bestandskunden müssen 2013 mit Mehrkosten rechnen

Die Beitragsanpassungen im kommenden Jahr werden daher flächendeckend höher ausfallen als in diesem Jahr und besonders Männer müssen sich auf hohe Anpassungen vorbereiten. So führte bisher die höhere Lebenserwartung und Schwangerschaft bei Frauen zu höheren Beiträgen.

Diese Differenzierung wird es in der Zukunft jedoch nicht mehr geben, ab 2013 müssen Männer und Frauen in allen Tarifen mit gleichen Leistungen die gleichen Beiträge zahlen. Experten rechnen damit, dass für männliche Versicherte eine durchschnittliche Erhöhung von 30 – 35 Prozent realistisch ist. Wer jetzt noch in die Private Krankenversicherung wechseln möchte, sollte sich also über die Tarife genaustens informieren. Hierzu eignet sich z.B. der Private Krankenversicherung Rechner, der sofort alle Tarife nach Dateneingabe zur Verfügung stellt.

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