Unisex-Tarife: Neue Regeln gelten nicht für Bestandskunden

In den letzten Wochen ist viel über die Beitragsanpassungen ab 01. Januar 2012 gesprochen worden. Dabei fast untergegangen wäre der Fakt, dass auch zum Jahreswechsel 2012/2013 auf viele Privatversicherte deftige Beitragsanpassungen von mehr als 30 Prozent warten. Der Grund: Ende Dezember 2012 muss eine EU-Richtlinie zur Gleichbehandlung der Geschlechter in den Versicherungen umgesetzt werden. Berichten zufolge hätte dies auch Bestandskunden bedroht.

EU-Kommission gibt für Bestandskunden Entwarnung

[Berlin] Im Verlauf der letzten Woche hatten sich Hinweise verdichtet, dass es durch die Unisex-Tarife nicht nur zu deutlichen Anpassungen in den Prämien für PKV-Neukunden kommt, sondern auch Bestandverträge im Zuge der neuen Tarifstruktur angepasst werden.

Damit hätte es in der privaten Krankenversicherung innerhalb von nur zwei Jahren saftige Anpassungen gegeben. Allerdings gibt die EU-Kommission aktuellen Medienberichten zufolge jetzt Entwarnung, was die Unisex-Tarife betrifft.

Wie aus den Meldungen hervorgeht, sollen Bestandskunden nicht betroffen sein. Demnach hat sich die Kommission auf Leitlinien verständigt, welche nur neu abzuschließende Tarife berühren. Andernfalls wäre es zu erheblichen Verwerfungen gekommen – gerade für männliche Versicherte. Hintergrund: Aufgrund der „höheren“ gesundheitlichen Risiken werden Frauen in der Beitragsberechnung schlechter gestellt. Eine Tatsache, die einer EU-Richtlinie widerspricht.

Unisex-Tarif richterlich verordnet

Eigentlich gilt die EU-Gleichstellungsrichtlinie bereits seit 21.12.2007. Mit einem Urteil vom März 2011 hat der Europäische Gerichtshof die deutschen Versicherer dazu verpflichtet, die Richtlinie zum 21. Dezember 2012 endgültig umzusetzen. Eine Tatsache, welche bereits für massive Kritik aus den Reihen der Versicherungswirtschaft gesorgt hat. Nicht nur, dass speziell Männer von erheblichen Anpassungen betroffen sein werden – viele Bestandskunden könnten die Chance nutzen.

Denn laut VVG haben Versicherte die Chance auf einen Tarifwechsel – ohne erworbene Rechte zu verlieren, wenn die Leistungen identisch ausfallen. Ältere Frauen könnten die Gunst der Stunde also nutzen und ab Ende 2012 in einen der neuen, für sie günstigeren Tarife wechseln, was die Versicherer unter Druck setzt.

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