Unisex-Tarife 2013: Preise steigen auch für Frauen um bis zu 55 Prozent

Laut Richtlinie 2004/ 113/EG der Europäischen Union (EU) hieß es, dass bereits zum 21. Dezember 2007 hin alle privaten Krankenversicherer Tarife anbieten mussten, die für Frauen und Männer gleich teuer waren. Die Versicherer stellte das bis letztes Jahr vor keine sonderlichen Probleme, Verallgemeinerungen des Gesetzes wurden an späterer Stelle entkräftet.  Diesen Zusatz erklärte der EuGH vergangenes Jahr für ungültig (EuGH, 01.03.2011 – C-236/09). Allein anhand des Abschlusses einer Risikolebensversicherung zeigt sich mittlerweile die Auswirkung. Laut Stiftung Warentest zahlen Frauen ab Dezember für diese zwischen 16 und 55 % mehr, Männer bis zu 22 % weniger.

„Grundprinzip der strikten Gleichberechtigung“ bei Unisex Tarifen

Zukünftig gilt das „Grundprinzip der strikten Gleichbehandlung“. Dieser Gleichbehandlungsgrundsatz ist nun sogar in der Charta der Grundrechte der EU verbürgt. Stichtag für die Umstellung ist dabei der 21. Dezember 2012.  Ein Urteil, das private Krankenversicherungen seit einem Jahr vor ein Anpassungsdilemma stellt. Die Regel bisher war wie folgt:  junge Frauen, zahlen aufgrund ihrer erhöhten Lebenserwartungen und höherer Durchschnittsausgaben bei der medizinischen Versorgung, jährlich höhere Prämien, junge Männer weniger hohe. Zahlen also junge Frauen bald ebenso niedrige Prämien wie Männer?  Nicht unbedingt.

Private Versicherer im Wechseldilemma

Das Problem schilderte Anfang Februar Roland Weber vom Vorstand der Debeka- Versicherungen auf dem MCC-Kassengipfel 2012 gegenüber “aerzteblatt.de“: „Nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz dürfen Neukunden keine niedrigeren Prämien bezahlen als Bestandskunden …sonst können Bestandskunden in den günstigeren Tarif wechseln.“ Durchaus einleuchtend – problematisch dabei ist jedoch, dass sofern ein massenhafter Wechsel von Bestandskunden in die günstigeren Unisex-Tarife entstände, diese schlagartig unterkalkulieren würden. Entsprechend würden also die zu zahlenden Prämien nicht mehr den Kosten der Krankenversicherung entsprechen und müssten schlussendlich angehoben werden. Ein solches Verfahren, infolge der Anpassung eines unzureichend kalkulierten Tarifes ist jedoch gemäß dem Versicherungsaufsichtsgesetz untersagt.

Folgenreiche Rechnung für Versicherte

Infolge ist der Wechsel junger Versicherter in die Unisex-Tarife von vornherein einkalkuliert. Dadurch würden sich die Prämien gemäß des notwendigen Reizausgleichs für den Wechsler praktisch auf dem Niveau der ehemaligen “Frauen“-Tarife befinden. Ziel der Versicherer dabei ist, dass Bestandskundinnen keinen finanziellen Vorteil von einem Tarifwechsel hätten und deswegen auch keinen Anreiz. Das allgemein höhere Prämienniveau stellt also generell das sicherere von beiden Übeln für die PKV dar.

Erhöhungen sind die Folge

Die Zeitschrift “Finanztest“ hat in ihrer neuen Ausgabe nachgeprüft. Ergeben hat sich eine Zahl – „30 bis 40 Prozent – das sind die Preissteigerungen, mit denen Männer bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder einer Pflegezusatzversicherung rechnen müssen.“ Ein gutes Beispiel stellt dabei die Risikolebensversicherung dar. Hier zahlen Frauen ab Ende Dezember zwischen 16 und 55 % mehr – Männer bis zu 22 % weniger. Dafür zahlen diese laut „Finanztest“ wiederum mehr für Berufsunfähigkeitspolicen (bis zu 35 Prozent), private Rentenversicherungen (bis zu 10 Prozent) und die Rürup-Rente (bis zu 10 Prozent). Ob Unisextarife also tatsächlich zu wesentlichen Beitragsvorteilen für Frauen führen steht noch aus.

Neue Tarife nicht bei Prämienanpassungen

Wichtig ist, dass die neuen Tarife erst mit einem Vertragsabschluss nach dem 21. Dezember 2012 einhergehen. Ein Abschluss vor diesem Datum wird nicht davon beeinträchtig. Eine Prämienanpassung von Altverträgen oder bei einem Abschluss von Zusatz- oder Anschlussversicherungen ist ebenso nicht zulässig. Die Versicherer hat das mit einem großen Anlauf rechnen lassen. Nach gestrigen Berichten von “Focus-Online“ verzeichnete allein die Debeka demnach einen Anstieg um 15.000 von Männern abgeschlossenen privaten Krankenvollversicherungen innerhalb weniger Monate. Jedoch sollte ein Vergleich dabei nicht ausbleiben, die Unterschiede zwischen den jeweiligen Anbietern sind teilweise erheblich.

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