Union will Provision für PKV-Vermittler begrenzen

Hohe Abschlussprovisionen in der privaten Krankenversicherung sorgen für Wirbel. Nachdem Verbraucherschützer und selbst die BaFin Alarm geschlagen haben, mischt sich nun auch die Politik ein. Gesundheitspolitiker fordern eine Begrenzung der Entgelte für Vermittler. Es soll bereits einen entsprechenden Gesetzentwurf geben, der den Wildwuchs bei den Provisionen begrenzt. Allerdings stößt der Vorschlag nicht nur auf Gegenliebe.

PKV – einträgliches Geschäft mit Neukunden

Wer als Arbeitnehmer, Freiberufler oder Selbständiger von der gesetzlichen Krankenversicherung in die PKV wechseln will, steht vor einem Tarifdickicht.

Hilfe durch Vermittler wird in dieser Situation gern angenommen. Letztere arbeiten aber nicht nur für das Wohl der Versicherten, sondern für den eigenen Geldbeutel. Denn ein PKV-Abschluss ist bares Geld wert. Die Versicherungen zahlen teilweise zwischen 14 und 18 Monatsbeiträgen als Provision. Inzwischen hat selbst die BaFin als oberste Finanzaufsichtsbehörde Alarm geschlagen.

Deckelung der Abschlussprovision aus Berlin

Einige Gesundheitspolitiker der Union wollen dem jetzt Rechnung tragen. Und fordern die Begrenzung der Vergütungen. Jens Spahn, gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, kritisierte die ausufernde Geschäftemacherei mit den Versicherten. „Da werden Kunden von manchen Maklern abgezockt“, so Spahn gegenüber dem Wirtschaftsblatt „Financial Times Deutschland“. Mit seiner Äußerung zielt der Politiker vor allem auf die sogenannte Umdeckung ab.

Nachdem die Haftungsphase der Makler von zwei Jahren verstrichen ist, wird versucht, den privat Versicherten einen neuen Vertrag zu vermitteln. Durch die Decklung der PKV-Provisionen will man dem einen Riegel vorschieben. Parallel dazu wäre es den Befürwortern eines solchen Schritts am liebsten, die Haftung auf fünf Jahre zu verlängern. Die Vermittler müssten bei einem Versicherungswechsel dann die Abschlussvergütung wieder zurückzahlen.

Juristisches und politisches Glatteis

Mit dem Vorstoß, zu dem bereits ein Gesetzesvorschlag in der Schublade liegen soll, begeben sich die Unionspolitiker allerdings in unruhiges Fahrwasser. Auf der einen Seite scheint der Koalitionspartner FDP von einer Begrenzung der Provisionen in der privaten Krankenversicherung alles andere als begeistert und hat verhalten auf den Vorschlag reagiert. Gleichzeitig scheint es auch aus juristischer Sicht schwierig, den Versicherern die Gestaltung ihrer Provisionspolitik von oben zu diktieren. Statt nur auf Druck aus Berlin zu reagieren, sehen Experten die Branche in der Pflicht. Laufzeitprovisionen, die den Vermittler für jeden Monat in einer PKV belohnen, wären so eine Chance.

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