Streit um Ärztehonorar zwischen GKV und KBV

Einer Studie zufolge verdient ein niedergelassener Arzt einen Reinertrag von 164.000 Euro pro Jahr. Zwischen Vertretern der gesetzlichen Krankenversicherung und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ist um diese Zahl jetzt ein heftiger Streit entbrannt. Während die GKV-Seite die Höhe des Ärztehonorars kritisiert, verteidigt der KBV das Einkommen der Mediziner. Und wirft der Gegenseite vor, die gute medizinische Versorgung zu gefährden. Stattdessen sollte daran gearbeitet werden, den Arztberuf wieder attraktiver zu machen.

Ärztehonorar in der Vergangenheit gestiegen

Im Streit um die Finanzierung des Gesundheitswesens und den immer wieder zitierten Ärztemangel prallen Welten aufeinander.

Während im Gesundheitsministerium an einer Lösung gearbeitet wird, die Ärzte mit finanziellen Vergünstigungen aufs Land locken soll, laufen Vertreter der GKV Sturm gegen neue Belastungen für die Krankenkassen. Ein Argument: Mit dem laut Iges-Institut errechneten Reinertrag von 164.000 Euro für niedergelassene Ärzte würden die Mediziner weit mehr als die vereinbarte Zielgröße von 105.00 Euro verdienen.

Johann-Magnus von Stackelberg, Vorstandsvize des GKV-Spitzenverbandes, verlangte daher ein Ende immer neuer Honorarforderungen für die Ärzte, die vom Beitragszahler finanziert werden müssen. Laut der Iges-Studie ist in den vergangenen Jahren der Reinertrag niedergelassener Ärzte allein zwischen 2003 und 2007 von 126.000 Euro auf 142.000 Euro gestiegen. Zahlen, die die Argumente der gesetzlichen Krankenversicherung zu stützen scheinen.

KBV wehrt sich gegen Vorwurf

Seitens der der Kassenärztlichen Bundesvereinigung werden die Zahlen der Studie kritisiert. KBV-Sprecher Roland Stahl wies gegenüber dem „Deutschen Ärzteblatt“ darauf hin, dass die Ausgaben für den laufenden Betrieb der Praxen berücksichtigt werden müssen. Laut eigenen Berechnungen komme man auf einen Nettoverdienst, der im Schnitt bei rund 3.700 Euro pro Monat liegt. Gleichzeitig sprach sich Stahl gegen die Äußerungen der GKV-Vertreter aus, es gebe keinen Ärztemangel, sondern nur ein Verteilungsproblem. „Der Ärztemangel ist ein Fakt“, so Roland Stahl.

Neue Reform erhitzt die Gemüter

Hintergrund der Debatte zwischen GKV- und Ärztevertretern ist die aktuell in Arbeit befindliche Gesundheitsreform und das Versorgungsgesetz. Im Bundesministerium will man mit höheren Honoraren mehr Mediziner aufs Land locken. Seitens des GKV-Spitzenverbandes soll dieses Plus durch Abschläge in überversorgten Regionen mitfinanziert werden.

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