Stiftung Warentest warnt vor virtueller Arztpraxis

Seit Ende 2011 haben deutsche Patienten die Möglichkeit, über die Onlinepraxis DrEd eine Diagnose ihrer Krankheiten samt Rezept im Internet zu bekommen. Stiftung Warentest hat DrEd ausprobiert und kommt zu dem Ergebnis: Finger weg von der Onlinepraxis, das Risiko einer Falschbehandlung ist sehr hoch.

Hohes Risiko einer Fehldiagnose

Stiftung Warentest schickte zwei Tester zur Online-Sprechstunde. Die erste Testerin gab an, an einer Blasenentzündung zu leiden. Dazu füllte sie einen Fragebogen zu den Symptomen aus, bei denen sie eher ungenaue Angaben machte. Neben Blasenschmerzen und Blut im Urin wies die Testerin auch darauf hin, an anderen Krankheitszeichen zu leiden. Weder verlangten die Online-Ärzte weitere Informationen zu diesen Symptomen, noch schienen sie in Betracht zu ziehen, dass die angegebenen Beschwerden auch auf Nierensteine oder einen Tumor hindeuten können. Selbst auf einen Urin-Test wurde verzichtet. Stattdessen erhielt die Testerin binnen weniger Minuten die Bestätigung, dass ihr ein Antibiotikum verschrieben wird. „Wie verantwortungslos“, beurteilt Stiftung Warentest.

Urin-Tests wurden nicht verlangt

Der zweite Test mit der Angabe einer Chlamydien-Infektion verlief aus Sicht von Stiftung Warentest „noch unseriöser“. Dem Online-Arzt genügte die Aussage des Testers, durch einen Selbsttest die Krankheit diagnostiziert zu haben, um ein Antibiotikum zu verschreiben. Als Patient könne man „das Blaue vom Himmel erzählen“, um schnell zu einer Diagnose und dem dazugehörigen Rezept zu kommen. Bis das Rezept jedoch per Post zu Hause ankam, dauerte es drei bis fünf Tage, was im Fall einer echten Erkrankung eine sehr lange Zeit ist.

Stiftung Warentest rät von DrEd ab

Aufgrund dieser Ergebnisse lautet das Fazit von Stiftung Warentest: „Reale Patienten gehören nicht in eine virtuelle Arztpraxis.“ Auch wenn die Online-Praxis damit wirbt, ohne Wartezeit rund um die Uhr besonders bei gesundheitlichen Problemen zu helfen, die dem Patienten peinlich sind, ist von DrEd abzuraten. „Eine Diagnose aus einer Online-Befragung ist keine Diagnose, sondern eine Vermutung“, warnt der Verband niedergelassener Ärzte NAV-Virchow-Bund.

Kostenübernahme der Krankenversicherung fragwürdig

Die Online-Ärztepraxis DrEd hat ihren Sitz in London, wo es anders als in Deutschland erlaubt ist, Patienten aus der Ferne eine Diagnose zu erstellen. Patienten müssen in der Online-Sprechstunde zwar keine Praxisgebühr, jedoch den erbrachten Dienst zahlen: 9 bis 29 Euro pro Behandlung. Die Übernahme der Kosten von der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung muss laut DrEd im Einzelfall vorher geklärt werden.

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