Stiftung Warentest: Wahltarife unter der Lupe

Gesetzlich Versicherte können sich für Wahltarife entscheiden. Die Stiftung Warentest hat jetzt für das Magazin „Finanztest“ eine Gruppe der Wahltarife genauer unter die Lupe genommen – jene mit einer Beitragsrückerstattung. Das Ergebnis: Nicht alle Krankenkassen der GKV bieten entsprechende Tarifmodelle an. Wo die Wahltarife mit Beitragsrückerstattung angeboten werden, differieren die Versicherungen unter anderem stark bezüglich deren Höhe.

Wahltarife – deutliche Unterschiede in der GKV

Die Stiftung Warentest kommt in ihrem Urteil zu einem eindeutigen Ergebnis – Wahltarife mit Beitragsrückerstattung sind in der GKV unterrepräsentiert.

Lediglich 7 von 93 untersuchten Kassen haben den Versicherten einen vollen Monatsbeitrag (inklusive Arbeitgeberanteil) als Beitragsrückerstattung zugestanden. Andere Versicherer zahlen dagegen an die Versicherten nur den Arbeitnehmerteil aus, einige Krankenkassen sogar noch weniger.

Im Test stellte Stiftung Warentest zudem fest, dass bei rund zwei Drittel der deutschen Krankenkassen ein Wahltarif mit Beitragsrückerstattung komplett fehlt. Dabei bietet dieser Tarif den Versicherten einige Vorteile, denn in leistungsfreien Jahren fließt ein Teil der gezahlten Prämie an den Versicherten zurück. Um die Beitragsrückerstattung in Anspruch nehmen zu können, dürfen Kassenpatienten innerhalb eines Jahres nicht zum Arzt gehen, da andernfalls der Anspruch auf die Rückerstattung entfällt.

Kritik von Stiftung Warentest

Veröffentlicht werden die Ergebnisse des Tests in der September-Ausgabe von „Finanztest“. Grund zur Kritik hatten die Tester dann aber doch. Der Shell BKK/Life-Tarif erlegt dem Versicherten die private Zahlung von Leistungen auf. Mitglieder der GKV stehen in diesem Zusammenhang womöglich vor dem Problem, dass Leistungserbringer nach den geltenden Gebührenordnungen abrechnen, es also höhere privatärztliche Kosten entstehen können.

Kritiker aus den Reihen der PKV sind die Wahltarife der GKV bereits seit Jahren ein Dorn im Auge, da sie PKV-ähnliche Leistungen anbieten, die aber nicht an die vertragliche Bindung des VVG (Versicherungsvertragsgesetz) geknüpft sind. Für gesetzlich Versicherte sind Wahltarife dagegen die Chance, den Versicherungsschutz zu verbessern.

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