So verschwenden Krankenkassen das Geld ihrer Versicherten

Prüfer des Bundesversicherungsamtes deckten auf, wie die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) das Geld ihrer Beitragszahler verschwendet. Zwar handelt es sich nur um Einzelfälle, doch diese zerstören das Vertrauen zwischen Krankenkasse und Versicherte nachhaltig.

Keine flächendeckende Verschwendung

Versicherte einer gesetzlichen Krankenversicherung wird dieser Artikel sicherlich interessieren. Denn während sie für die Bewilligung mancher GKV-Leistungen sogar bis vor Gericht ziehen müssen, gehen einige Krankenkassen nur allzu freizügig mit den eingezahlten Beiträgen ihrer Versicherungsnehmer um. Es ist schwer, aus dem Prüfbericht des Bundesversicherungsamtes ein Highlight zu nennen, denn die meisten Verschwendungen lassen einen nur den Kopf schütteln.

Verschwendung durch zu große Gebäude

Eine Krankenkasse mietete sich beispielsweise ein Bürogebäude für 10 Jahre an. Eigentlich nichts ungewöhnliches, wenn sie die gemieteten 4800 Quadratmeter voll nutzen würden. Lediglich etwa 40 Büros von den 117 vorhandenen sind belegt. Monatlich bezahlt die Kasse dafür rund 95.000 Euro. Einmalig kamen für die ganze Bürofläche noch knapp 100.000 Euro für Sonderausstattungen und Einrichtungskosten an Kosten hinzu.

Fahrlässiger Einsatz von Detektiven

In einem anderen Fall ließ eine Krankenversicherung eine Versicherte von Detektiven beschatten. Die Kasse hat vermutet, dass die Frau zu Unrecht Krankengeld bezieht. Der mögliche Schaden belief sich auf 15 Euro pro Tag für die Krankenkasse. Die Kosten für die Detektei: 10.719 Euro. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Prüfer feststellten: Aufwand und Ziel stünden „in einem krassen Missverhältnis“. Bei den insgesamt 236 Prüfungen wurde auch ein Unterschlagungsfall aufgedeckt. Innerhalb von acht Jahren soll eine Mitarbeiterin einer Krankenversicherung über 450.000 Euro unrechtmäßig an Versicherte überwiesen haben.

GKV-Spitzenverband lehnen Beitragssenkung ab

Anscheinend haben die Kassen zu viel Geld zur Verfügung, um es – salopp formuliert – unbedacht aus dem Fenster zu werfen. Immerhin beläuft sich der derzeitige Überschuss der GKV auf rund 20 Milliarden Euro. Trotzdem soll es keine Beitragssenkungen geben. Dies lehnt zumindest die Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung, Doris Pfeiffer, ab. Gegenüber der Ulmer „Südwest Presse“ sagte sie, dass die Ausgaben der GKV im vergangenen Jahr um 3,5 Prozent gestiegen sind. Wenn der Beitrag gesenkt wird, seien schnelle Beitragssteigerungen die Folge, so Pfeiffer.

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