Selbstständigkeit 2012: Wann lohnt sich die private Krankenversicherung wirklich?

In Deutschland haben selbstständig Tätige die Wahl, ob sie freiwillig Mitglied in einer gesetzlichen Kasse oder Kunde in einer PKV werden. Die Entscheidung sollte gründlich überlegt und stets von den individuellen Voraussetzungen des Versicherungsnehmers abhängig gemacht werden.

Junge und gesunde Gutverdiener profitieren

Selbstständige müssen den kompletten Beitrag für die Krankenversicherung aus der eigenen Tasche bezahlen. Deshalb sollten sie sich frühzeitig überlegen, welcher Versicherungsschutz besser zu ihrer Einkommenssituation und ihrem Gesundheitszustand passt. Grundsätzlich gilt: Für jüngere, gesunde und gut verdienende Selbstständige bietet sich eine private Krankenversicherung eher an als für ältere Geringverdiener mit Vorerkrankungen. Selbstständige mit einem hohem Einkommen profitieren bei der PKV insbesondere davon, dass die Höhe ihrer Prämien nicht von ihrem Einkommen, sondern von persönlichen Faktoren wie Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand abhängig gemacht wird. In der Regel erhalten sie deshalb in einer PKV einen deutlich besseren Leistungsumfang zu niedrigeren Beiträgen.

Junge und gesunde Selbstständige können zudem von Beitragsrückerstattungen der privaten Versicherungsgesellschaften profitieren, wenn sie innerhalb eines Jahres keine Leistungen von ihrer Versicherung in Anspruch nehmen müssen. Ein wesentlicher Vorteil, den die PKV zudem für selbstständig Tätige bietet, ist das Krankentagegeld. Gerade für Personen, die sich eigentlich keine längeren Ausfälle wegen einer Krankheit erlauben dürfen, bietet ein möglicher Ausgleich der Einkommensausfälle eine wichtige Sicherheit.

Im Einzelfall abwägen

Für ältere Selbstständige, die einen schlechteren Gesundheitszustand haben, berechnet die PKV häufig Risikozuschläge, so dass die Kosten und der Nutzen einer PKV im Einzelfall abgewogen werden müssen. Auch Geringverdiener sind manchmal mit einer freiwilligen Mitgliedschaft in der GKV besser beraten, weil ihnen dann oft zu einem niedrigeren Preis eine medizinische Grundversorgung gewährleistet wird. Besonders bei Selbstständigen mit Kindern sollte detailliert kalkuliert werden, welche Kosten mit einer PKV und welche Kosten mit einer GKV verbunden sind. Denn innerhalb der GKV bietet die Familienversicherung eine kostenfreie Mitversicherung der Kinder, während die PKV individuelle Beiträge von jeder versicherten Person verlangt. Wer sich als Selbstständiger für die PKV entscheidet, trifft immer auch eine wesentliche Entscheidung für die Zukunft. Denn eine Rückkehr in die Gesetzliche ist in aller Regel nur noch dann möglich, wenn der Selbstständige in ein Arbeitnehmerverhältnis eintritt. Andernfalls ist er auch bei einer schlechteren Kassenlage gezwungen, weiterhin seine Prämien für die PKV zu zahlen.

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