Schnelltest für neue Medikamente: Vorteile und Nachteile

Seit Jahresbeginn können Arzneimittelhersteller neue Medikamente nur noch dann einführen, wenn deren Nutzen nachgewiesen werden konnte. So soll sich zeigen, ob das neue Medikament wirklich signifikant besser ist als die bereits am Markt vorhandenen Präparate. Die Tests der neuen Medikamente werden direkt nach deren Einführung vom Gemeinsamen Bundesausschuss vorgenommen. In diesem Ausschuss sind Vertreter von Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen tätig, die die Angaben sowie die Aufzeichnungen der Hersteller genauer unter die Lupe nehmen.

Bewertung von Medikamenten soll Kosten senken

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler wollte mit der Einführung der neuen Schnellprüfung die explodierenden Kosten im Gesundheitssektor reduzieren. Dass diese neue Prüfung nun endlich eingeführt werden konnte, lobt auch Rainer Hess, der als Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschuss tätig ist. In anderen Ländern wäre eine derartige Prüfung längst Standard, so Hess.

Studie erfasst nicht alle Patientengruppen

Wurde ein Medikament als nutzvoll eingestuft, ist es nun möglich, mit den Herstellern über den Preis zu verhandeln. Problematisch sieht Hess jedoch, dass die vorhandenen Studien oft nicht alle Patientengruppen berücksichtigen. Auch sei es möglich, dass in Folge der Nutzenstudie viele Hersteller nun auf weitergehende Studien verzichten, da der Nutzen der Medikamente ja bereits festgestellt sei.

Medikamente ohne Nutzen gelangen trotzdem in die Apotheke

Trotz des Lobes für die neue Schnellprüfung sehen viele Experten diese dennoch skeptisch. Schließlich wird ein Medikament trotz negativer Nutzenprüfung nicht vom Markt genommen und können daher weiter an die Patienten ausgegeben werden. Erst nach weiteren Studien wäre es Jahre später möglich, das Medikament schließlich doch vom Markt zu nehmen.

Gefahr für Patienten

Für die Versorgung der Patienten können sich so Gefahren ergeben. Schließlich sei es möglich, dass Medikamente auch dann noch verschrieben werden, wenn ihre Wirkung schlechter ist als bei anderen Arzneimitteln. Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission, Wolf-Dieter Ludwig, verlangt daher weitergehende Untersuchungen, die den Nutzen von Medikamenten auch im Langzeitvergleich nach zwei bis drei Jahren belegen.

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