Provisionen: BaFin geht gegen private Versicherer vor

Hohe Abschlussprovisionen sind seit einiger Zeit Reizthema in der PKV. Jetzt geht die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zum ersten Mal wegen vermeintlich zu hoher Provisionen gegen private Versicherer vor. Dies geht aus einer aktuellen Meldung von „Stiftung Warentest“ hervor. Die Namen der Versicherer werden zwar nicht genannt. Der Vorfall dürfte allerdings Wasser auf die Mühlen der Kritiker sein.

Versicherungsvermittler kassieren ab

Dass für die Vermittlung von Verträgen im Bereich der privaten Krankenversicherung an den Vermittler Provisionen ausgezahlt werden, daran wird sich kaum jemand stören.

Kritisch wird die Lage allerdings dann, wenn die Abschlussprovisionen ein gewisses Niveau überschreiten. Erst im vergangenen Jahr hatten Verbraucherverbände, Verbrauchertester und selbst die BaFin die Provisionspolitik im Bereich der PKV gerügt. Denn einige Versicherer zahlten Abschlussprovisionen im vierstelligen Bereich.

Umgelegt auf den Beitrag ergab sich ein beeindruckender Verdienst, der teilweise den Jahresbeitrag eines privat Versicherten überstieg. Offenbar scheint sich daran nicht viel geändert zu haben. Laut „Stiftung Warentest“ sind die Privatversicherer scheinbar nach wie vor bereit, Unsummen an Vermittler auszuschütten. BaFin-Sprecherin Kathi Schulten erklärte, dass sich die beiden betroffenen Versicherer aus der PKV einer Sonderprüfung unterziehen müssen. Als Grenzwert für die Höhe der Abschlussvergütung gelten 8,9 PKV-Monatsbeiträge. Alles darüber sei „aufsichtsrechtlich unerwünscht“.

Abschlussprovisionen als Kostenfaktor

Für die Versicherten ist eine solche Provisionspolitik in der PKV alles andere als vorteilhaft. Schließlich müssen die hohen Vergütungen, welche die Vermittler erhalten, irgendwie erwirtschaftet werden. Und was eignet sich dafür besser als der Rücken der Beitragszahler. Und noch einen Nachteil haben hohe Abschlussprovisionen in der privaten Krankenversicherung. Die Verlockung steigt beim Vermittler, nach zwei oder drei Jahren den privat Versicherten zum erneuten Wechsel zu animieren.

Versicherungswechsel kosten Geld

Diese Umdeckung wird dem Versicherten als gewinnbringendes Geschäft verkauft. Allerdings ist mitunter das Gegenteil der Fall. Durch die erneute Gesundheitsprüfung und ein höheres Eintrittsalter können die Beiträge am Ende zum Nachteil für den Privatpatienten sein. Zumal in den Augen von Kritikern der Vorzug dem Gewinn statt der Beratungsqualität gegeben wird. Wer unterm Strich am Ende mit dem erneuten PKV-Wechsel verdient, ist nicht der Verbraucher, sondern der Versicherungsvermittler – dank hoher Abschlussprovisionen.

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