Privatversicherte für Arbeitgeber billiger als gesetzlich Versicherte

Einer Untersuchung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) zufolge sparen Arbeitgeber im Jahr 1,3 Milliarden Euro aufgrund privatversicherter Arbeitnehmer ein. Diese verursachen über ihre Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge geringere Kosten als gesetzlich Versicherte. Die so eingesparten Ausgaben könnten in 40.000 neue Arbeitsplätze investiert werden.

Unternehmen, die besonders viele privatversicherte Arbeitnehmer beschäftigen, können sich einer neuen vbw-Untersuchung zufolge glücklich schätzen. Denn pro Kopf ergibt sich eine Ersparnis von mehr als 1.200 Euro durch günstigere Beiträge zur privaten Pflege- und Krankenversicherung. Hierbei unterstellt die Vereinigung durchschnittliche Kosten für die private Krankenversicherung (PKV) von 230 Euro für den Arbeitgeber. Für einen gesetzlich versicherten Mitarbeiter mit einem Einkommen von 4.150 Euro pro Monat fallen Sozialabgaben in Höhe von rund 300 Euro an. Innerhalb von 12 Monaten summiert sich die Ersparnis auf rund 850 Euro.

Durch niedrigere Beiträge zur Pflegepflichtversicherung würden nochmals über 400 Euro eingespart, sodass sich eine Gesamtersparnis von insgesamt 1.267 Euro ergibt, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Bei 1,26 Millionen Arbeitnehmern, deren Einkommen die Versicherungspflichtgrenze übersteigt und die sich für die private Krankenversicherung entschieden haben, entspricht dies einer Summe von 1,33 Milliarden Euro.

GKV: PKV betreibt „Geschäft im Windschatten der gesetzlichen Krankenversicherung“

Durch die private Krankenversicherung können Arbeitgeber der Untersuchung zufolge Geld sparen und dieses in neue Investitionen stecken. Bis zu 40.000 Arbeitsplätze könnten von der PKV-Ersparnis unterhalten werden, berichtet die Zeitung. Dies könne als Argument für den Fortbestand der privaten Krankenversicherung genutzt werden. So meint Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, dass der Wettbewerb zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) hilfreich sei und eine Korrekturfunktion erfülle. Ein Sprecher des GKV-Spitzenverbands kritisiert jedoch, dass sich die PKV „der gesellschaftlichen Solidarität entzieht“. Sie betreibt so „im Windschatten der gesetzlichen Krankenversicherung ihr Geschäft“, zitiert die FAZ.

Erst Anfang Januar hatten sich SPD, Grüne und Linke im Bundestag für die Einführung einer Bürgerversicherung stark gemacht. Hintergrund ist die Forderung nach Abschaffung der GKV-Zusatzbeiträge, die zum Jahreswechsel bei einigen Krankenkassen deutlich gestiegen sind und nur von Arbeitnehmer getragen werden.

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