Private Krankenversicherung: Verliert die PKV ihre Versicherten?

2012 sollen erstmals mehr privat Krankenversicherte in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zurückgewechselt sein als umgekehrt. Und das, obwohl der Wechsel in die GKV nur in Ausnahmefällen möglich ist. Muss die private Krankenversicherung (PKV) nun um ihre Versicherten bangen? Der PKV-Verband gibt Entwarnung.

2,2 Millionen Privatversicherte in die GKV gewechselt

In den vergangenen 15 Jahren haben über 2,2 Millionen Privatversicherte ihrer privaten Krankenversicherung den Rücken zugekehrt und sind in die gesetzliche Krankenversicherung zurückgegangen. Allein zwischen 2011 und 2012 waren es rund 320.000 Menschen. Das berichtet das Handelsblatt Online und beruft sich dabei auf die Zahlen der PKV-Rechenschaftsberichte. Dem gegenüber stehen zwar 4,3 Millionen gesetzlich Krankenversicherte, die in den letzten 15 Jahren in die PKV gewechselt sind. Doch 2012 haben sich erstmals mehr Privatversicherte bei einer gesetzlichen Kasse versichert als umgekehrt.

PKV-Verband: Ursache für Wechsel gesetzlicher Natur

Stefan Reker, der Sprecher des PKV-Verbands, weist darauf hin, dass der Wechsel in die GKV mitunter erzwungen ist. Die meisten Versicherten gingen unter gesetzlichen Zwang, wenn sie unter die Versicherungspflichtgrenze fallen. Das kann etwa der Fall sein, wenn Angestellte von Vollzeit in Teilzeit wechseln. Zudem sind in der Vergangenheit viele privatversicherte Jugendliche mit ihrem Berufsstart in die GKV gewechselt, so Reker weiter. Gleiches gilt meist für Selbständige, die wieder eine Festanstellung angenommen haben.

GKV: Wechsel wegen schlechter Leistungen und steigender Beiträge

Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, sieht ganz andere Gründe für den PKV-Wechsel. „Wir gehen davon aus, dass die hohe Zahl der Rückkehrer ihre Ursache in den oftmals schlechteren Leistungen der PKV hat“, sagte er dem Handelsblatt Online. Scheinbar gebe es eine Differenz zwischen den „Werbeversprechen der PKV und der Realität“, so Lanz weiter. Jens Bass, der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), sieht die Ursache viel eher in den steigenden Beiträge. Seiner Meinung nach werden die Probleme der privaten Krankenversicherer immer größer. Die Versicherten spüren das insbesondere durch die stark steigenden Beiträge, so Bass. Dies sei ein Grund dafür, warum im ersten Halbjahr 37.000 Privatversicherte zur TK gewechselt sind.

 

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