Private Krankenversicherung soll Kunden Tarifwechsel erschweren

Einige private Krankenversicherer sollen ihre Versicherten beim Tarifwechsel innerhalb der privaten Krankenversicherung absichtlich hinhalten, verunsichern und nicht ausreichend informieren. Das geht aus einem internen Papier der Gothaer Versicherung hervor, das Spiegel Online vorliegt. Karl Lauterbach von der SPD bezeichnete die Vorgehensweise der Versicherer als „Panikmache“.

PKV: Systematische Behinderung beim Wechsel?

Wenn es zu Problemen beim Tarifwechsel gekommen ist, hat sich die private Krankenversicherung stets damit verteidigt, dass es sich um Einzelfälle handle. Doch einem internen Schreiben der Gothaer Versicherung zufolge müssen Versicherte davon ausgehen, dass die Versicherer den Wechsel absichtlich behindern. Die Anbieter sollen laut Spiegel Online günstige Angebote unterschlagen, die PKV-Kunden mit angeblichen Problemen verunsichern und den Wechsel verweigern. Zumindest die Gesellschaften Gothaer, Allianz und Signal Iduna sollen den Tarifwechsel systematisch erschweren, berichtet das Magazin.

PKV-Versicherte werden nicht ausreichend informiert

In dem internen Schreiben weist die Gothaer ihre Mitarbeiter darauf hin, dass sie „dem Versicherungsnehmer […] vorrangig“ einen Risikozuschlag anbieten sollen. Privat Versicherte haben die Möglichkeit, bei einem Tarifwechsel auf die neu angebotenen Leistungen zu verzichten, um so den Zuschlag zu vermeiden. Doch auf den sogenannten Mehrleistungsausschluss müssen die Versicherten selbst aufmerksam machen. Nur wenn „der Versicherungsnehmer oder Honorarberater [diesen] explizit fordern“, werde über diese Möglichkeit informiert. Das geht aus dem Gothaer Schreiben hervor. Die Mitarbeiter sollen zudem auf vermeintliche Nachteile beim Leistungsausschluss aufmerksam machen.

SPD kritisiert Vorgehensweise in der privaten Krankenversicherung

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, sieht in der Vorgehensweise der privaten Krankenversicherer „Panikmache“. PKV-Kunden werden absichtlich verunsichert, damit sie den Mehrleistungen zustimmen, die sie womöglich nicht brauchen. Für ihn beweist das Schreiben, was Kritiker schon lange geahnt und bemängelt haben. „Nämlich, dass die PKV Kunden systematisch um die Möglichkeit betrügt, geringere Beiträge zu zahlen“, erklärte Lauterbach dem Online Magazin. Versicherte, die Probleme mit ihrem PKV-Wechsel haben, sollten die Hilfe eines Experten in Anspruch nehmen. Zudem ist es wichtig, sich nicht zu hundert Prozent auf die Informationen des Versicherers zu verlassen. Manche privat Versicherte müssen außerdem hartnäckig bleiben, um schließlich in einen Tarif mit geringeren Beiträgen wechseln zu können.

 

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