Private Krankenversicherung: Risikozuschlag als Kostenfalle

Die private Krankenversicherung gilt als Beispiel für eine Gesundheitsfürsorge auf hohem Niveau. Möglich wird dies unter anderem durch eine individuelle Anpassung der Beiträge. Allerdings ist diese Tatsache nicht immer von Vorteil. Wer mit einer Vorerkrankung in die PKV wechseln will, muss mit Ablehnung oder Risikozuschlägen rechnen. Letztere machen die private Krankenversicherung teurer – und zwar auf Dauer. Dies hat ein Versicherter jetzt auch vor Gericht erfahren müssen (Az.: 12 U 164/10).

Kläger scheitert vor OLG Karlsruhe

Der Versicherte schloss im November 2001 eine private Krankenversicherung ab.

Aufgrund mehrerer Vorerkrankungen des Magen-Darm-Bereiches, der Wirbelsäule sowie für depressive Störungen musste der Kläger mit einem Risikoaufschlag von 180 Euro tief in die Tasche greifen. 2008 kam es dann zu einer Reduzierung des PKV Beitrags. Die Magen-Darm-Erkrankung und die depressive Störung wurden hinfällig und damit auch ein Teil des Risikozuschlags.

Allerdings hielt die Versicherung an dem Zuschlag für die Probleme im Bereich der Wirbelsäule fest. Da sich der Kläger aber nicht krank fühlte und auch der Arzt ein Rückenleiden trotz vorliegender Spondylarthrose ausschloss, verlangte der Versicherte auch dessen Rücknahme. Allerdings weigerte sich die PKV. Und so landete der Fall vor Gericht.

Landgericht urteilte für Kläger

In einer Vorinstanz erhielt der Versicherte sogar Recht. Allerdings gab sich die Versicherung damit nicht zufrieden. Im Gegenteil – sie zog in die nächste Instanz. Und hier urteilten die Richter genau umgekehrt – nämlich im Sinne der privaten Krankenversicherung. Der Risikozuschlag bleibt bestehen. Das Kuriose: Die Richter sprachen dem Versicherer das Recht zu, eigene Maßstäbe anzulegen und nicht die neueste Erkenntnis der Medizin berücksichtigen zu müssen.

Urteil hat Signalwirkung

Das Urteil ist nicht nur für den Kläger und die private Krankenversicherung von Bedeutung. Jeder wechselwillige Versicherte der GKV sollte sich unter dem Eindruck des Richterspruchs sehr genau überlegen, inwiefern er sich mit vorliegenden Vorerkrankungen um den Wechsel in die PKV bemüht. Und auch das Verschweigen der Erkrankungen ist keine Lösung. Hier droht im Ernstfall der Verlust des Versicherungsschutzes bzw. die Weigerung der Versicherung zur Leistungserbringung.

 

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