Private Krankenversicherung: Medikamentengabe wird nicht erstattet

Nicht immer sind Privatpatienten gegenüber Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung im Vorteil. Laut einem aktuellen Urteil müssen privat Versicherte die Kosten, die durch die Verabreichung von Arzneimitteln entstehen, selbst tragen.

In diesen Tagen wird viel über die Kosten aber auch die Vorzüge der privaten Krankenversicherung gesprochen. Nach den Beitragserhöhungen zu Beginn dieses Jahres und weiteren Diskussionen über die Einführung einer Bürgerversicherung, wankt das Bild der Versicherung für Besserverdienende. Dennoch gilt in den meisten Fällen, dass eine private Krankenversicherung ihren Mitgliedern mehr Leistungen bietet als die gesetzlichen Krankenkassen.

Klage vor dem Oberlandesgericht

Dass dies nicht immer der Fall ist, zeigt ein aktuelles Gerichtsurteil. Eine 90-jährige Privatpatientin hatte auf Kostenübernahme bei Medikamentenverabreichung geklagt. Die Privatpatientin sitzt im Rollstuhl und wohnt in einem Wohnstift mit betreutem Wohnen. Hier hatte sie den Pflegedienst der Einrichtung genutzt, der ihr dreimal täglich ihre Medikamente gab und dafür rund 800 Euro monatlich verlangte.

Medikamentenkosten und –verabreichung sind zu unterscheiden

Da die häusliche Krankenpflege in der Regel auch die Arzneimittelgabe mit einschließt, hatte die Frau darauf bestanden, dass die private Krankenversicherung die Kosten übernimmt. Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht schloss sich hier allerdings dem Krankenversicherer an und wies die Klage ab. Die Versicherung hatte darauf hingewiesen, dass der Krankheitskostenversicherungsvertrag zwar sehr wohl die Erstattung von Medikamentenkosten beinhaltet, die Medikamentengabe sei aber dadurch nicht abgedeckt (Aktenzeichen 16 U 43/11).

Anspruch bei der GKV – Nicht aber der PKV

Hier zeigt sich, dass auch bei der privaten Krankenversicherung genau auf den Wortlaut der Versicherungsbedingungen geachtet werden sollte. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt beispielsweise die Kosten der häuslichen Krankenpflege, die auch die Medikamentenverabreichung umfasst, wenn der Versicherte alleinstehend ist und die Medikamente nicht selbst einnehmen kann. Umfasst der Versicherungsvertrag einer privaten Krankenversicherung diese Leistung jedoch nicht, dann kann der Privatpatient auch keinen Anspruch auf die Erstattung der Kosten erheben. Auch die Pflegeversicherung hatte die Kosten der Klägerin nicht übernommen. Schließlich handelt es sich bei der häuslichen Krankenpflege um eine Leistung der Krankenversicherung. Daher sollten Versicherungsverträge im Zweifelsfall immer durch einen Experten überprüft werden, um Versicherungslücken zu vermeiden. Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch hier.

Weitere News:

Tops und Flops in der privaten Krankenversicherung

Aktuelle Zahlen zeigen, welche privaten Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren die meisten neuen Mitglieder gewonnen haben. Rund die Hälfte der berücksichtigten 33 Anbieter ist gewachsen. Andere Anbieter verbuchen dagegen teils deutliche… mehr

Finanztest: Probleme mit der privaten Krankenversicherung vermeiden

In der aktuellen Ausgabe von Finanztest (08/2016) greift Stiftung Warentest das Thema Probleme mit der privaten Krankenversicherung auf. Denn nicht immer zahlen die Versicherer für jede Behandlung. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn diese nicht… mehr

Finanztest prüft PKV-Ergänzungstarife für Beamte

Beamte haben die Möglichkeit, mit Beihilfeergänzungstarifen ihren Versicherungsschutz aufzustocken. Denn trotz privater Krankenversicherung und Beihilfe bleiben sie manchmal auf Kosten sitzen, etwa wenn Zahnersatz oder eine neue Brille notwendig… mehr

Kosten für Physiotherapie: Ärger mit privater Krankenversicherung

In der Regel profitieren privat Versicherte von sehr guten Leistungen. Doch nicht immer ist im Vertrag eindeutig geregelt, für welche Behandlungen der Versicherer wie viel zahlt. Ein solcher Streitfall stellt beispielsweise die Kostenübernahme… mehr