Private Krankenversicherung: Linkspartei bläst zum Angriff auf die PKV

Die private Krankenversicherung lockt wechselwillige Neukunden mit einem individuellen Leistungsportfolio und niedrigen Eintrittsbeiträgen. Eine Tatsache, die die PKV in den Augen vieler zum besseren Versicherungssystem macht. Die Linkspartei bläst mit einem Gesetzesentwurf jetzt scheinbar zum Angriff auf die private Krankenversicherung. Und fordert mit dem Entwurf deren Abschaffung, um eine bessere solidarische und gerechtere Krankenversicherung zu ermöglichen.

Deutschland: Ein Land – zwei Systeme

In Deutschland existieren zwei unterschiedliche Krankenversicherungssysteme.

Auf der einen Seite die GKV, wo die Leistungen quasi vom Gesetzgeber geregelt werden und die Prämien sich am Einkommen orientieren. Auf der anderen Seite steht die private Krankenversicherung. Hier können sich die Versicherten einen individuellen Leistungskatalog zusammenstellen. Und haben die Chance, gerade in jungen Jahren mit niedrigen Beiträgen Geld sparen zu können. Entwickelt haben sich beide Systemen aus den Sozialgesetzen des 19. Jahrhunderts.

Das Problem: Die Versicherten der PKV genießen scheinbar die bessere medizinische Versorgung. Für die Linkspartei ein unhaltbarer Zustand. Die sogenannte „Zwei-Klassen-Medizin“ gehört in den Augen der Fraktion im Bundestag abgeschafft. Dazu hat die Linkspartei einen Gesetzesentwurf (Antrag 17/5524) in den Bundestag eingebracht, der an verschiedenen Punkten ansetzt.

Neuregelung des Basistarifs

Die Linkspartei fordert nicht nur die Abschaffung der PKV. In einem ersten Schritt soll entscheidend beim Basistarif nachgebessert werden. Denn die rund 21.000 Versicherten haben in der Vergangenheit vermehrt Probleme beim Arztbesuch bekommen, insbesondere durch die schlechtere Vergütung der Leistungen. Daher fordert die Linkspartei einerseits die Verpflichtung für Vertragsärzte, Mitglieder des Basistarifs zu behandeln. Und auf der anderen Seite eine Vergütung, „die entsprechenden Leistungen, die an GKV-Mitgliedern erbracht werden“ entspricht.

PKV und GKV am Scheidepunkt

Auch wenn der Vorstoß mit großer Wahrscheinlichkeit wenig Erfolg haben wird, so zeigt er doch, dass die Krankenversicherungssysteme an einem Scheidepunkt angekommen sind. Denn weder GKV noch PKV können angesichts der Probleme im Gesundheitswesen auf lange Sicht an den eingefahrenen Strukturen festhalten. Es müssen stattdessen grundlegende Reformen angestrebt werden, die die Vorteile beider Versicherungssysteme miteinander kombinieren.

 

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