Private Krankenversicherung: Keine Steuerentlastung durch Selbstbehalt

Mit dem Selbstbehalt reduzieren viel privat Krankenversicherte ihre Versicherungsbeiträge. Was sich damit allerdings nicht senken lässt, ist die individuelle Steuerlast. Denn die Selbstbeteiligung kann nicht steuerlich angerechnet werden.

Zur Selbstbeteiligung bei der privaten Krankenversicherung gibt es unterschiedliche Meinungen. Einige Versicherte sind froh, ihre monatlichen Beiträge mit dem Selbstbehalt senken zu können. Andere ärgern sich spätestens dann, wenn sie erkranken und bis zur Höhe der Selbstbeteiligung alle Behandlungen aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Tatsächlich sollte die Selbstbeteiligung nur über einen Betrag vereinbart werden, denn sich der Versicherte als unerwartete Ausgabe auch leisten kann.

Selbstbehalt: Steuerlich nicht relevant

Gegen eine zu hohe Vereinbarung bezüglich des Selbstbehalts spricht nun auch ein aktuelles Urteil des Finanzgerichts in Köln. Dieses hat entschieden, dass der Selbstbehalt nicht als Sonderausgabe steuerlich absetzbar ist. Grundsätzlich können Krankenversicherungsbeiträge und auch anfallende Nebenkosten zum Versicherungsschutz geltend gemacht werden. Allerdings dient der Selbstbehalt nicht der Aufrechterhaltung bzw. Erlangung des Versicherungsschutzes. Damit ist die Selbstbeteiligung auch nicht als Sonderausgabe zu werten. (Aktenzeichen: 15 K 1858/12)

Höhe der Selbstbeteiligung genau durchrechnen

Dies ist vor allem für jene Versicherten interessant, die erwägen, ihren Versicherungsschutz anzupassen und die Selbstbeteiligung zu erhöhen. Steuerliche Erwägungen spielen mit dem Kölner Urteil nun keine Rolle mehr. Auch Neukunden sollten sich bei der Vereinbarung eines Selbstbehalts auf ihre zu erwartenden Versicherungsbeiträge und finanziellen Möglichkeiten konzentrieren. Im Zweifelsfall hilft bei der Entscheidung die Beratung durch einen unabhängigen Experten. Empfehlenswert ist es jedoch gerade am Anfang den Selbstbehalt nicht zu hoch anzusetzen. In der Regel kann die Höhe später im Nachhinein noch angepasst werden. Versicherte sollten zudem bedenken: Auch die Versicherungsgesellschaft kann die Selbstbeteiligung im Rahmen von Beitragserhöhungen nach oben hin anpassen. Wenn der Selbstbehalt von vornherein am oberen finanziellen Limit festgelegt wird, nur um Beiträge zu sparen, kann es dann zu echten Problemen kommen.

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