Private Krankenversicherung: Immer weniger Privatpatienten

Im vierten Jahr infolge verbucht der Verband der Privaten Krankenversicherung einen Rückgang der Vollversicherten. Dabei ging der Schwund 2015 im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück. Insgesamt beziffert der PKV-Verband den Rückgang auf rund 47.000 Versicherungsverträge. Doch es gibt auch gute Nachrichten. Die private Krankenversicherung ist für die Zukunft gut aufgestellt.

2011 waren 8,98 Millionen Menschen bei einer privaten Krankenversicherung voll versichert. Damals verzeichnete der PKV-Verband die höchste Vertragsanzahl. Doch seitdem ist die Zahl rückläufig. Auch für 2015 musste Verbandschef Volker Leienbach bei der heutigen Vorstellung der vorläufigen Branchenzahlen in Berlin erneut einen Bestandsschwund von 47.100 Personen bekanntgeben. Damit beziffert sich der Rückgang in den letzten vier Jahren auf rund 200.000 Verträge.

Als Ursache nennt der PKV-Verband unter anderem den historischen Rekordstand der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im vergangenen Jahr. So nahm die Zahl der Arbeitnehmer um 426.000 Personen zu. Gleichzeitig gab es 97.000 weniger Selbstständige. Durch die gute Arbeitsmarktlage wechselten viele Selbstständige in feste Arbeitsverhältnisse. Zigtausende von ihnen mussten „beim Wechsel in sozialversicherungspflichtige Anstellungen in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln, ob sie nun wollten oder nicht“, heißt es in der Pressemitteilung des Verbands.

Immer mehr abgeschlossene Pflegeversicherungen

Insgesamt nahm die Zahl an Versicherungen in der privaten Krankenversicherung zu. So gab es 2015 1,7 Prozent mehr abgeschlossene Zusatzversicherungen. Der Bestand betrug im vergangenen Jahr 24,77 Millionen Verträge. Insgesamt liegt die Zahl der Voll- und Zusatzversicherungen somit bei insgesamt 33,56 Millionen. Ein besonders starkes Wachstum gab es laut PKV-Verband im Bereich der Pflegezusatzversicherung. Hier nahm die Anzahl der geförderten Policen – sogenannte Pflege-Bahr-Tarife – um ein Fünftel auf 683.500 Stück zu. Demgegenüber stehen 2,59 Millionen ungeförderte Pflegezusatzversicherungen. Das entspricht einem Plus von 4,2 Prozent zu 2014.

Demografie-Vorsorge deutlich ausgebaut

Auch wenn es weniger voll versicherte Privatpatienten gibt, so betont der Verband, dass er für die Zukunft gut aufgestellt ist. Denn „auch in der Niedrigzinsphase konnten wir den Rückstellungen der Privatversicherten im Jahr 2015 rund 12,8 Milliarden Euro neu zuführen“, so Leienbach. „Das beweist die große Kompetenz und Sorgfalt der PKV-Unternehmen bei der Anlage der Versichertengelder.“

Altersrückstellungen dienen dazu, Beitragssteigerungen im Alter aufgrund eines erhöhten Bedarfs an ärztlichen Versorgungen zu vermeiden. „Anders als die gesetzliche Krankenversicherung kalkuliert die PKV die Beiträge der Versicherten so, dass sie von Beginn an selbst Vorsorge für ihre altersbedingt steigenden Gesundheitsausgaben treffen“, erläutert der Verband.

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