Private Krankenversicherung: Für wen lohnt sie sich wirklich?

Nicht alle Menschen haben die Möglichkeit sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen und in die private Krankenversicherung einzutreten. Insbesondere Arbeitnehmer können dies nur, wenn sie über ein hohes Einkommen verfügen. Dieses muss dabei die sogenannte Jahresarbeitsentgeltgrenze von derzeit 50.850 Euro brutto jährlich überschreiten.

Vorteile genau abwägen

Wer jedoch als Arbeitnehmer mehr verdient, kann in die private Krankenversicherung. Auch Studenten, Beamte, Freiberufler und Selbständige haben diese Möglichkeit, unabhängig von ihrem Einkommen. Dabei haben privat Versicherte meist Anspruch auf mehr Leistungen, wie zum Beispiel je nach Tarif die Erstattung von Zahnersatz, Heilpraktikerbehandlungen und Sehhilfen. Doch für wen lohnt sich die private Krankenversicherung wirklich?

Einkommen vs. Alter und Gesundheitszustand

Pauschal lässt sich sagen: Umso jünger ein Versicherter ist und umso mehr er verdient, umso eher lohnt sich die private Krankenversicherung. Denn die Beiträge werden hier nicht einkommensabhängig berechnet, sondern anhand von Alter, Gesundheitszustand und Geschlecht. Wer also viel verdient und nur geringe Risikozuschläge aufgrund von Alter oder Vorerkrankungen hat, kann gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung nicht nur von mehr Leistungen profitieren, sondern auch Versicherungsbeiträge sparen.

Etwas anders verhält es sich bei Studenten und Beamten. Studenten sind meist vorerst über die gesetzliche Krankenversicherung kostenlos familienversichert. Erst wenn sie darauf keinen Anspruch mehr haben, empfiehlt sich die PKV. Denn auch wenn man hier nicht von nennenswerten Einsparpotentialen sprechen kann, bieten die Studententarife der privaten Krankenversicherung doch meist ein Mehr an Leistungen.

Beamte: PKV grundsätzlich die erste Wahl

Beamte erhalten von ihrem Dienstherrn Beihilfe. Die Höhe der Beihilfe schwankt dabei zwischen 50 und 80 % der Gesundheitskosten. Um die restlichen Kosten abzudecken, können sich Beamte hier wahlweise in der gesetzlichen oder in der privaten Krankenversicherung versichern lassen. Bei der gesetzlichen wird dabei der normale Krankenversicherungsbeitrag von 15,5 % verlangt, auch wenn die Krankenkasse nur für einen Teil der Kosten aufkommt. Auch erhalten sie dabei keinen Arbeitgeberanteil, da der Dienstherr ja bereits die Beihilfe zahlt. Es gibt daher kaum eine Personengruppe, für die sich die private Krankenversicherung mehr eignet, da Beamte zusätzlich auch besonders günstige Tarife von der PKV angeboten bekommen.

Familien sind in der GKV nicht selten besser aufgehoben

Für alle anderen gilt: Man sollte sich überlegen, wie viel Geld man eventuell durch eine private Krankenversicherung sparen kann. Dabei sollte nicht nur das eigene Einkommen und damit die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung betrachtet werden, sondern auch andere Faktoren. Hat man beispielsweise mehrere Kinder, so fährt man unter Umständen selbst mit einem sehr hohen Einkommen mit der gesetzlichen Krankenversicherung besser, da die private Krankenversicherung keine kostenlose Familienmitversicherung bietet. Unter Umständen lohnt es sich hier und wenn man beispielsweise als Selbständiger einer eher geringes Einkommen hat, eher, sich gesetzlich zu versichern und einen Krankenzusatzversicherung für Sonderleistungen abzuschließen. Wer sich über die Kosten der PKV informieren möchte, kann auch den kostenlosen Private Krankenversicherung Rechner nutzen.

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