Private Krankenversicherung 2012: Unisex-Tarife werden teurer als erwartet

Seit März letzten Jahres wissen die Versicherungen, dass die Unisex-Tarife kommen. Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs dürfen ab Dezember dieses Jahres keine Unterscheidung mehr zwischen männlichen und weiblichen Versicherten bei der Beitragsberechnung gemacht werden. Für Bestandskunden bleibt in der privaten Krankenversicherung doch alles beim Alten.

Keine Zeit mehr für Umstellung

Mit dem Urteil, das spätestens ab dem 21. Dezember 2012 durchgesetzt werden soll, hätten die privaten Krankenversicherer die Möglichkeit gehabt, auch die Verträge der Bestandskunden an die neue Regelung anzupassen. Bisher wurden Frauen und Männer unterschiedlich bemessen, Frauen mussten in der Regel höhere Beiträge bezahlen als Männer im gleichen Alter. Die Krankenversicherer hätten aber bis spätestens Januar dieses Jahres eine Entscheidung haben müssen, um die Beitragsanpassungen rechtzeitig durchzusetzen. Diese Frist ist jedoch verstrichen.

Altverträge bleiben unverändert bestehen

So bleiben die rund neun Millionen Altverträge unangerührt. Das Bundesfinanzministerium, das für die Umsetzung des EuGH-Urteils zuständig ist, hatte aber bisher noch keine endgültige Entscheidung bekanntgegeben. Laut Informationen der Financial Times Deutschland hat man aber dazu tendiert, die Altverträge nicht neu zu berechnen, da sich in einzelnen Personengruppen, vorrangig junge Männer, erheblich Beitragserhöhungen ergeben hätten.

Wie kommen die Kosten zustande?

Denn auch wenn das Urteil im ersten Moment suggeriert, dass vor allem die Tarife für Frauen günstiger werden, bleibt dies unwahrscheinlich. Da Frauen mit einem bestehenden Vertrag die Möglichkeit haben, in einen günstigeren Unisex-Tarif beim gleichen Anbieter zu wechseln, werden sich die Tarife wahrscheinlich eher an die jetzigen Frauentarife anpassen. Denn die privaten Krankenversicherer kalkulierten ihre Tarife bisher auch sehr genau nach der Geschlechteraufteilung. Wechseln nun ein Großteil der Frauen in einen Unisex-Tarif, so dürfen nachträglich keine Anpassungen nur aufgrund des veränderten Geschlechterverhältnisses vorgenommen werden. Mehrkosten müssten die privaten Krankenversicherer aus dem Eigenkapital finanzieren. Allein die Debeka hätte Kosten von zirka 100 Millionen Euro würden alle Kundinnen in einen Unisex-Tarif wechseln. Daher wird davon ausgegangen, dass die Unisex-Tarife von vornherein teurer werden, um diese Mehrkosten zu verhindern.

Mehr Kosten für Männer

Ab dem 21. Dezember bedeutet dies vor allem für junge Männer erheblich höhere Kosten. Frauen können zwar mit geringeren Beiträgen bei Neuverträgen rechnen, die Ersparnis wird aber relativ gering ausfallen. Insbesondere Männer sollten daher, wenn Sie dieses Jahr noch eine private Krankenversicherung abschließen wollen, noch vor der zweiten Hälfte dieses Jahres reagieren. Weitere Informationen zu Unisex-Tarifen finden sie auf http://www.krankenversicherung.net/unisex-tarife-pkv

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