Private Krankenversicherer mit stationären Zusatzpolicen in der Kritik

Gesetzlich Krankenversicherte, die die Vorzüge der privaten Krankenversicherung bei einem Klinikaufenthalt genießen wollen, können ihren Schutz mit einer privaten Krankenhauszusatzversicherung ergänzen. Wie die Ratingagentur Assekurata nun in einem neuen Test feststellt, dass schneidet von 38 getesteten Angeboten nur eines mit „gut“ ab.

Krankenhaus-Policen fallen im Test durch

Die Krankenhaus-Policen der privaten Krankenversicherer sind zum überwiegenden Teil mangelhaft. Zu diesem harten Urteil kommt aktuell in einem Test die Ratingagentur Assekurata. Diese hat Krankenzusatzversicherungen einerseits für Zahnbehandlungen und andererseits für die stationäre Versorgung untersucht. Während die Zahnzusatzversicherungen insgesamt sehr gut abgeschnitten haben, sieht es bei den Krankenhauszusatzversicherungen anders aus. Die Tarifbedingungen der Einbettzimmer-Policen wurden bei 16 Anbietern als mangelhaft bewertet, elf Mal gab es die Note „ausreichend“. Als einziger Tarif erreichte „PlanS“ der Central immerhin eine gute Bewertung.

Tarife für stationäre Behandlung überwiegend veraltet

Auch bei den Zweibettzimmer-Tarifen fiel das Urteil nicht besser aus. Hier gab es bei 23 Policen elf Mal ein „mangelhaft“ und acht Mal „ausreichend“. Die Experten von Assekurata erklären das schlechte Ergebnis mit überwiegend veralteten Tarifbedingungen. Die Versicherungsverträge orientieren sich demnach häufig noch an den alten Musterbedingungen des PKV-Verbandes aus dem Jahr 2009. Bei anderen Zusatzversicherungen und der Krankenvollversicherung werden mittlerweile Vertragswerke eingesetzt, die nicht so nachteilig für die Versicherten sind. „Es bleibt zu hoffen, dass neben einem intensiveren Wettbewerb um faire und kundenfreundliche Bedingungen auch durch die überfällige Modernisierung der Musterbedingungen Bewegung in den Markt kommt“, erklärt Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will in einer Pressemitteilung.

Mehr Leistungen im Krankenhaus für Privatpatienten

Für gesetzlich Krankenversicherte gibt es als Alternative zum Abschluss einer Zusatzversicherung teilweise auch die Möglichkeit in die private Krankenvollversicherung zu wechseln. Dazu müssen Arbeitnehmer beispielsweise über ein Einkommen über der sogenannten Versicherungspflichtgrenze verfügen. Diese beträgt im Jahr 2015 noch 54.900 Euro brutto jährlich und wird im Jahr 2016 auf 56.250 Euro ansteigen. Vor einem Wechsel in die private Krankenversicherung sollte allerdings genau geprüft werden, welcher Tarif sich am besten für die persönlichen Ansprüche eignet.

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