Placebo: Psyche beeinflusst Wirkung von Schmerzmittel
Die Angst vor Schmerzen hat fatale Auswirkungen. Wie Wissenschaftler herausgefunden haben, beeinflusst unsere Psyche die Wirkung von Schmerzmitteln. Eine positive Erwartungshaltung unterstützt die Behandlung. Ängste und Sorgen können das Gegenteil erreichen. Die Tests der Forscher mit dem Placebo-/Nocebo-Effekt könnten neue Denkanstöße für den medizinischen Alltag und die Behandlung von Schmerzpatienten liefern.
Schmerzexperiment mit Remifentanil
Für ihre Studie testeten die Wissenschaftler am Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf rund zwei Dutzend Probanden.
Das Opioid wirkt in der Regel schnell, hat aber auch nur einen kurzen Wirkzeitraum. Die Frage war, wie würden sich die Probanden in den unterschiedlichen Szenarien mit Remifentanil verhalten? Während der Versuche gab es drei mögliche Varianten. Einmal die Erklärung, es werde das Schmerzmittel Remifentanil verabreicht sowie die Variante Remifentanil ohne Information des Probanden. Und ein Szenario, indem der Versuchsteilnehmer das Mittel erhielt, aber mit der Aussage ohne Remifentanil den Versuch zu absolvieren.
Placeboeffekt wirkt in umgekehrte Richtung
Das verblüffende Ergebnis: Wenn der Proband Schmerzen erwartete, weil er angeblich kein Schmerzmittel erhielt, war der Effekt des Opioids teilweise fast null. Wusste der Versuchsteilnehmer dagegen, dass man ihm Remifentanil verabreichte, war die Wirkung besonders groß. Das Schmerzempfinden reduzierte sich deutlich. Mithilfe funktioneller Magnetresonanztomografie überwachten die Forscher gleichzeitig die Hirnaktivität der Probanden. Mit dem Ergebnis, dass die Erwartungshaltung das Schmerz verarbeitende System beeinflusst.
Nocebo-Effekt lässt sich beeinflussen
Für den medizinischen Alltag könnte die Studie durchaus von Bedeutung sein. Schmerzpatienten, die bereits mehrfach erfolglos behandelt wurden, bauen eine innere Erwartungshaltung gegenüber der Therapie auf. Im negativen Fall würde diese mit dem Mittel konkurrieren. Ließe sich der Effekt umkehren, könnte vielleicht eher eine wirksame Therapie gestartet werden.
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