PKV: Zukunft der Versicherer liegt in der Qualität

[08.12.2011] Seit der Einführung der Billigtarife hat das Image der privaten Versicherungsgesellschaften stark gelitten. Roland Weber, Vorstand der Debeka bezeichnete Billigtarife als „Sargnagel“ für die PKV. Von vielen PKV-Experten wird jetzt gefordert, eine Regelung einzuführen, die einen minimalen Leistungsumfang definiert, den eine Krankenvollversicherung beinhalten muss. Im PKV-Verband arbeiten derzeit mehrere Arbeitsgruppen an einer Umsetzung dieser Idee und stehen dabei auch in Verhandlungen mit der Ärzteschaft.

PKV muss sich von GKV unterscheiden

[Berlin] In der jüngeren Vergangenheit wurden vermehrt Billigtarife in Umlauf gebracht, welche nicht einmal den Leistungsstandard der GKV erreicht haben.

Hans-Ludger Sandkühler, Vorsitzender des Berufsverbandes mittelständiger Versicherungs- und Finanzmakler, erklärte dazu, dass derartige Tarife nicht als Krankenvollversicherung bezeichnet werden dürften und warnt auch Makler davor, derartige Tarife zu vermitteln. Denn sollte bei einem Vermittlungsgespräch nicht eindeutig auf die geringen Leistungen hingewiesen werden, müssen Makler mit rechtliche Probleme rechnen.

Durch diese vermehrte Verbreitung von Billigtarifen mit geringem Leistungsumfang, hat auch das Ansehen der PKV stark gelitten und einige Versicherungsgesellschaften haben sich mittlerweile aus dem Geschäft der Billigtarife zurückgezogen. Um eine derartige Situation in Zukunft zu umgehen, wird im PKV-Verband derzeit an einer Lösung gearbeitet, die einen Mindeststandart für Krankenvollversicherungen regeln soll. Dafür stehen verschiedene Arbeitsgruppen in Verhandlungen und Gesprächen mit der Ärzteschaft. Reinhold Schulte, Vorsitzender im PKV-Verband erklärte dazu: „Unser gemeinsames Ziel ist: gute Qualität zu angemessener, leistungsgerechter Honorierung.“

PKV-Branche muss Verluste durch Billigtarife ausgleichen

Das Experiment Billigtarif ist für die PKV aus Sicht mancher Experten auf ganzer Linie gescheitert. Nicht nur dass den Versicherten wichtige Leistungen fehlen und eine angemessene Absicherung nicht gewährleistet werden kann, auch haben renommierte Versicherungsgesellschaften Verluste hinnehmen müssen, die jetzt auszugleichen sind.

Seit Einführung der Billigtarife ist die Zahl derer, die nach geraumer Zeit ihre Beiträge nichtmehr bezahlen können, stark angestiegen. Die Versicherungsunternehmen können diesen Verbrauchern seit der Einführung der Versicherungspflicht aber nicht einfach kündigen, müssen aber Altersrücklagen und Notfallversorgungen weiter gewährleisten. Diese finanzielle Notsituation zwingt die Unternehmen zu Beitragserhöhungen.

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