PKV: Wie Beitragsanpassungen die Altersrückstellungen riskieren

Beitragsanpassungen sind momentan das Thema Nummer 1 in der PKV. Schließlich geben die Unternehmen im Moment bekannt, ob und in welcher Höhe Anpassungen durchgeführt werden – wie die Central Krankenversicherung aus Köln oder die ARAG (Düsseldorf). Durch das gescheiterte Experiment Billigtarif fallen im Jahr 2012 die Anpassungen teilweise besonders hoch aus – um bis zu 40 Prozent. Bei einem Wechsel ist dennoch Vorsicht geboten, denn die Altersrücklagen können verloren gehen.

Vorsicht beim Anbieterwechsel

Wenn eine Versicherungsgesellschaft ihre Beiträge zum 1. Januar 2012 erhöht, sehen viele Versicherte meist nur einen Ausweg: den Anbieterwechsel.

Doch dabei gehen in der Regel die bisher angesammelten Altersrücklagen verloren. Experten raten deshalb dazu, eher einen Wechsel innerhalb der Gesellschaft durchzuführen, denn auch dadurch können Prämien sinken und gleichzeitig die Rücklagen behalten werden.

Eine Möglichkeit, die vielen Versicherten bei einer Beitragsanpassung aber nicht bewusst ist. Oftmals werden die Kunden hingehalten und vertrösten, um nicht in günstigere Tarife mit den gleichen Leistungen zu wechseln. Diese Methode hat auch Erfolg, denn nach geraumer Zeit geben die meisten Kunden auf und bleiben in ihren alten und teuren Tarifen versichert. Wer also zu den Betroffenen von Central und ARAG gehört, deren Beitrag zum 1. Januar 2012 um 12,9 Prozent oder mehr steigt, sollte sich auf § 204 VVG berufen und einen Tarifwechsel ins Auge fassen.

An Bund der Versicherten wenden

Wer in einem solchen Fall aus eigener Kraft nicht weiter kommt, kann sich an den Bund der Versicherten (BdV, Tiedenkamp 2, 24558 Henstedt-Ulzburg) wenden, denn dort hat man bereits Erfahrungen mit derartigen Fällen und weiß um die Ungerechtigkeit. Der Justiziar des BdV, Hajo Köster, erklärte kürzlich dazu: „Wir haben immer wieder Fälle von Versicherten, die über Wochen und Monate versuchen, in einen anderen Tarif zu kommen.“

Experten gehen davon aus, dass die Altersrücklagen nach etwa fünf bis sieben Jahren ein Niveau erreicht haben, das einen Wechsel in eine andere Gesellschaft nicht mehr rechtfertigt. Um Beitragserhöhungen und den Verlust der Altersrücklagen zu umgehen, sollten Versicherte auf ihr Tarifwechselrecht behaaren, notfalls mit Unterstützung des BdV aus Henstedt-Ulzburg. Alternativ können Versicherte sich auch kostenlos zum Thema von unabhängigen Experten beraten lassen.

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