PKV-Wechsel: Makler haften für Beratungsfehler

Die private Krankenversicherung verspricht ein hohes Leistungsniveau zu einem vertretbaren Beitrag. Wer allerdings mit Vorerkrankungen in die PKV wechseln will, muss mit hohen Aufschlägen rechnen. Makler, die den Wechsel trotzdem empfehlen, müssen nach einem Urteil des Oberlandesgerichtes Hamm nun damit rechnen, für ihre Beratung zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Makler muss beim Wechsel auf Risiken hinweisen

Im vorliegenden Fall, den das Oberlandesgericht Hamm zu verhandeln hatte, war ein Mitglied der privaten Krankenversicherung gegen seinen Makler vor Gericht gezogen.

Dieser hatte dem Kläger zur Kündigung der PKV seines Sohnes und den Wechsel in einen neuen Vertrag geraten. Allerdings nahm die neue Versicherung den Antrag des Sohnes aufgrund dessen Vorgeschichte nicht an. Daraufhin blieb dem Kläger nur noch die Möglichkeit, bei der alten PKV einen neuen, aber wesentlich teureren Vertrag abzuschließen.

Wegen der durch die Beratung entstandenen Mehrkosten klagte der Vater gegen den Makler auf Schadenersatz. Und bekam vor dem das Oberlandesgericht Hamm (Az:18 U 154/09) jetzt auch Recht. Der Makler muss die Mehrkosten, welche dem Kläger monatlich in Höhe von 174 EUR entstehen, dauerhaft zahlen. Das Gericht sah in der Begründung des Urteils ein Versäumnis der Aufklärungspflichten als gegeben an. Dem Makler hätte klar sein müssen, dass es beim Abschluss der neuen privaten Krankenversicherung zu Problemen kommt.

Risiko der Vorerkrankungen

Wer als Mitglied der PKV oder als gesetzlich Versicherter mit einem Einkommen über der Versicherungsgrenze die Krankenversicherung wechseln will, muss sich im Klaren über mögliche Risiken sein. Vorerkrankungen oder ein höheres Lebensalter können zu höheren Beiträgen führen. Mit dem Urteil des Oberlandesgerichtes Hamm sind nun auch die Makler in die Pflicht genommen. Wer andere zu einem Wechsel in der privaten Krankenversicherung berät, muss auch auf die drohenden Risiken eines solchen Schrittes hinweisen. In den Augen der Richter des OLG Hamm schließt diese Tatsache auch die „Abwicklung etwaiger Vorverträge“ ein.

Hohe Provisionen als verlockender Anreiz

Das Urteil des Oberlandesgerichtes Hamm hat nicht nur für die Versicherten und Makler in der PKV eine gewisse Signalwirkung. Es berührt auch die Debatte um hohe Vermittlungsprovisionen in der privaten Krankenversicherung, die für einige Vermittler Ansporn sind, Versicherte nach wenigen Jahren in neue Verträge zu vermitteln. Ein einträgliches Geschäft, wenn man bedenkt, dass mitunter mehr als ein Jahresbeitrag an die Makler ausgeschüttet wird. Mit dem Richterspruch dürfte es sich mancher Vermittler aber zweimal überlegen, den Wechsel zu empfehlen.

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