PKV vs. GKV: Kassenwechsel mit Hindernissen

Nach Informationen von Spiegel Online wechseln immer mehr PKV Kunden zurück in die gesetzliche Krankenversicherung. Wilfried Jacobs, Chef der AOK Rheinland/Hamburg bestätigte, dass 2011 rund 27.600 Privatversicherte in die AOK wechselten. Dies ist ein Zuwachs von 9 % ggü. dem Vorjahr. Den gleichen Trend sieht auch die Barmer GEK, die einen Zuwachs von 12 % bei den Wechslern von privat zu gesetzlich verzeichnet hat.

Gründe für die Flucht in die GKV sind vor allem die horrenden Beitragsanpassungen, die viele privaten Anbieter 2012 durchgeführt haben. „Vorsichtig geschätzt müssen Sie davon ausgehen, dass Ihr Versicherungsbeitrag im Rentenalter mindestens das Dreifache dessen beträgt, was Sie heute bezahlen (…)“, so die Gesundheitsexperten Ulrike Steckkönig von Finanztest auf die Frage nach der Beitragsentwicklung eines Dreißigjährigen in der Privaten Krankenversicherung.

Informationen zum GKV Wechsel falsch

Volker Leienbach, Direktor des PKV Verbandes, widersprach der Darstellung des Spiegels: „Jedes Jahr wechseln deutlich mehr Menschen aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die private Krankenversicherung als umgekehrt“. Er sprach von einem „unseriösen Verhalten einzelner Vertreter gesetzlicher Krankenkassen“ und verwies auf das Wachstum in der PKV in den letzten Jahren. Der Aussage von Udo Baske, Sprecher des AOK-Bundesverbandes nach der „die Zeit der PKV als Vollversicherung zu Ende geht“ wird demnach kein großer Wert seitens der PKV beigemessen.

Gesundheitsminister äußert sich zur Wechselthematik PKV in GKV

In einem Interview mit Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr in der Neuen Westfällischen Zeitung hieß es: „Sie schöpfen noch längst nicht alle Möglichkeiten aus, den Versicherten günstigere Tarife anzubieten“. Gemeint sind die Tarife, die die Private Krankenversicherung momentan ihren Kunden für 2012 anbietet. Dadurch würde man dem Kunden keinen Anreiz mehr geben, die Krankenversicherung zu wechseln.

Gesetzliche Schlupflöcher für Wechselwillige

Obwohl der Wechsel von PKV in GKV nicht vom Gesetzgeber erwünscht ist, gibt es einige Schlupflöcher in der Gesetzgebung, die die Rückkehr in die GKV möglich machen. Grundsätzlich ist jeder gesetzlich versichert, der unter der Versicherungspflichtgrenze (2012 sind es 50.850 ,-Euro jährlich) verdient. Für den Arbeitnehmer heißt das konkret, dass das Gehalt nach Absprache mit dem Arbeitgeber für ein Jahr unter diese Grenze sinkt und er dadurch automatisch wieder in die GKV eintritt. Der Verdienstausfall kann z. B. durch Prämienzahlung kompensiert werden, da diese nicht zur Berechnungsgrundlage der Versicherungspflichtgrenze herangezogen werden können.

Selbstständige, die in der PKV versichert sind und zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln wollen, können in ein Angestelltenverhältnis eintreten und werden dadurch ebenfalls automatisch versicherungspflichtig (Voraussetzung: Einkommen unter 50.850 ,-Euro).

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