PKV: Vollversicherung ist Standbein der Unternehmen

In knapp zwei Wochen wird bei der Bundestagswahl auch über die Zukunft der privaten Krankenversicherung entschieden. Denn während die jetzige Regierung das duale Krankenversicherungssystem beibehalten und sogar noch stärken will, streben die Oppositionsparteien die Einführung einer Bürgerversicherung an.

PKV vor dem Aus?

Dieser Schritt würde zur Abschaffung der privaten Krankenversicherung als Krankenvollversicherung führen. Die Versicherer würden so auf das Geschäft mit den Krankenzusatzversicherungen beschränkt. Dazu gehören beispielsweise die Zahnzusatzversicherung oder Krankenhaustagegeldversicherung. Wie der Vorsitzende des PKV-Verbands und Chef der Debeka Uwe Laue nun aber gegenüber der Ärztezeitung betont, könnten sich die PKV-Versicherer nicht alleine über die Zusatzversicherungen finanzieren.

Uwe Laue kritisiert Pläne der Oppositionsparteien

„Es wird aus meiner Sicht nie dazu kommen, dass die private Krankenversicherung allein aus dem Markt der Zusatztarife heraus leben kann.“ So lautet das Urteil Laues. Krankenzusatz- und Ergänzungstarife machen nur 21,6 Prozent des Gesamtmarktumsatzes aus, während die Vollversicherungen 72,8 Prozent von insgesamt 35,7 Milliarden Euro Beiträge einbringen. Man kann die Zusatzversicherungen zwar weiter ausbauen, einen echten Ersatz stellen diese für die Versicherer jedoch nicht dar.

Die Leistungen der Krankenzusatzversicherungen

Die Krankenzusatzversicherungen werden derzeit vor allem von gesetzlich Versicherten genutzt. Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung wurden nach und nach gekürzt, so dass Patienten viele Leistungen aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Insbesondere im zahnmedizinischen Bereich ist der Anteil der gesetzlichen Krankenkassen so gering, dass Patienten schon bei der Regelversorgung einen nicht unerheblichen Teil der Kosten selbst tragen müssen. Wollen sie darüber hinaus zusätzliche Leistungen, wie etwa moderne Materialien beim Zahnersatz, so steigt der Eigenanteil schnell auf mehrere Tausend Euro. Daher ist es kaum verwunderlich, dass Krankenzusatzversicherungen allgemein und Zahnzusatzversicherungen im speziellen immer beliebter bei den Versicherten werden.

Bürgerversicherung bietet keine Lösung zur Zweiklassenmedizin

Kritiker der Bürgerversicherungen bemängeln, dass es mit Abschaffung der privaten Krankenvollversicherung nicht etwa zu einer Abschaffung einer Zweiklassenmedizin kommen würde. Vielmehr würde eine solche durch die Bürgerversicherung erst geschaffen. Denn wichtige Leistungen würden zukünftig von der Bürgerversicherung nicht gezahlt werden. Krankenzusatzversicherungen könnten sich dabei wiederum gerade Geringverdiener nicht leisten. Sie würden daher viele Gesundheitsleistungen nicht mehr in Anspruch nehmen können. Ein weiteres Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung ist so auch für Menschen mit geringem Einkommen vorteilhafter.

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