PKV: Versicherungswechsel nur nach intensiver Beratung

Seit Anfang des Jahres können Arbeitnehmer wieder leichter in die private Krankenversicherung wechseln. Und einige Unternehmen nutzen die Einführung der Unisex-Tarife, um die Angst vor steigenden Beiträgen in der PKV anzuheizen. Dabei warnen Versicherungsexperten bereits seit Wochen vor einem überstürzten Wechsel in die PKV. Viele Arbeitnehmer lassen sich von den Zuständen in der GKV täuschen. Anders als die gesetzlichen Kassen sind die Privatversicherer nicht an einen gesetzlichen Leistungsrahmen gebunden, die Unterschiede fallen daher entsprechend groß aus.

PKV sehr genau prüfen

Es gibt aber noch andere Gründe, die für einen umfassenden und gründlichen Vergleich der einzelnen privaten Krankenversicherer sprechen.
Neben den deutlichen Leistungsunterschieden sind es natürlich die Beiträge, welche sich unterscheiden. Parallel lohnt es sich, das Umfeld im Auge zu behalten. Wer sich einmal für die PKV entscheidet, kann nur selten in die GKV zurück, etwa wenn der Beitrag die finanzielle Leistungsfähigkeit übersteigt. Immer wieder müssen Privatversicherte in diesem Fall feststellen, dass die Rückkehr in die GKV noch schwieriger ist als der Wechsel in die private Krankenversicherung. Selbst Urteile wie jenes des Sozialgerichts Kiel (Az.: S 37 AS 437/10 ER; Rückehr in die GKV möglich, wenn nicht unmittelbar vor Antragstellung eine PKV bestand) sind nur ein Lichtblick. Schon aufgrund dieser schwierigen Situation ist eine gründliche Beratung vor dem Versicherungswechsel zu empfehlen.

PKV nicht immer die richtige Entscheidung

Gleichzeitig warnen Verbraucherexperten vor dem Fehler, die PKV undifferenziert zu betrachten. Richtig ist zwar die Annahme, eine private Krankenversicherung bietet einen hohen Leistungsrahmen. Allerdings ist die PKV für bestimmte Personenkreise eher 2. Wahl. Letzteres gilt für Antragsteller mit chronischen Vorerkrankungen, die hohe Risikoaufschläge fürchten müssen und denen ein erhöhter PKV Beitrag berechnet wird.
Gleichzeitig sollten sich Familien mit Kindern die Frage stellen, ob die Ausgaben für die Prämien von Kindern und Eltern den höheren Leistungsumfang wirklich wert sind. In beiden Fällen bietet die GKV – etwa über die beitragsfreie Mitversicherung im Rahmen der Familienversicherung – weitaus bessere Möglichkeiten.  

   

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