PKV-Versicherte müssen ihre Arztrechnung genau überprüfen

Ein aktuelles Urteil des Amtsgerichts München gibt den Mitgliedern der privaten Krankenversicherung „Hausaufgaben“. Privat Krankenversicherte müssen ihre Arztrechnungen gründlich selbst überprüfen. Denn wenn die Versicherung Erstattungen für Behandlungen leistet, die der Arzt tatsächlich gar nicht durchgeführt hat, können sie die Kosten vom Versicherten zurückverlangen.

Die private Krankenversicherung springt für falsche Arztrechnungen nicht ein

Sogar die Rechnungen des eigenen Arztes können falsche Beträge und Leistungen aufweisen, die gar nicht erbracht wurden. Das konnte eine privat Versicherte Münchnerin schmerzlich feststellen, da sie mit ihren eigenen Finanzen für die falsch gestellte Rechnung aufkommen musste. Wie kam es dazu? In der Regel reichen Privatpatienten die Arztrechnung bei ihrer Versicherung ein und erhalten die Behandlungskosten zurückerstattet. Der Fall (AZ 282 C 28161/12) der Münchnerin zeigt nun, dass die Krankenversicherer genau nachprüfen, wofür sie Geld ausgeben. So wurde bei der Patientin zwar eine Akupunkturbehandlung, aber nicht die ebenfalls abgerechnete Infiltrationsbehandlung im Rahmen einer Bioresonanztherapie durchgeführt. Als der Versicherer dies im April 2012 feststellte, verlangte er seine Ausgaben von der Versicherten zurück.

Nebenvertragliche Pflicht: Rechnungen des Arztes genau kontrollieren

Die Versicherte legte Widerspruch ein und berief sich auf ihr mangelndes medizinisches Fachwissen. Einem Laien falle nicht auf, ob die Bioresonanztherapie mit einer bloßen Akupunkturbehandlung bereits durchgeführt worden sei oder nicht. Diesen Einwand ließ die Richterin jedoch nicht gelten. Sie verweist die Versicherte auf deren zumindest nebenvertragliche Pflicht, Arztrechnungen sorgfältig zu überprüfen. Selbst das leicht fahrlässige Übersehen des entscheidenden Rechnungsdetails, schützt sie nicht vor den Erstattungsansprüchen ihrer privaten Krankenversicherung. Die Frau musste selbst für die Bioresonanztherapie aufkommen.

Private Krankenversicherung vertraut auf Rechnungsprüfung der Versicherten

In einer weiteren Begründung zum Urteil wird die Natur der privaten Krankenversicherung erläutert. Die PKV hat normalerweise keinen Einblick, welche Behandlungen beim Patienten tatsächlich durchgeführt wurden. Daher ist sie auf wahrheitsgemäßen Angaben durch ihre Versicherten angewiesen und muss sich auf die Richtigkeit der eingereichten Arztrechnungen verlassen können. Fallen dem Versicherten Ungereimtheiten in der Rechnung auf, sollte er diese seiner privaten Krankenversicherung unbedingt melden. Sogar bei einer leichten Fahrlässigkeit muss der Privatversicherte ansonsten für die zu viel abgerechneten Kosten aufkommen.

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