PKV: Versicherer erstatten weniger Leistungen

[08.12.2011] In den letzten Monaten hat sich in der PKV ein Trend etabliert, den viele Versicherte nicht erwartet haben: Die Kostenübernahme für Leistungen werden in der PKV eingeschränkt. Versicherte sollten daher vorher genaue Informationen einholen, welche Leistungen von der Gesellschaft übernommen werden und welche nicht. In einem Beispiel aus Schleswig-Holstein hat das OLG gegen die 90-jährige Klägerin entschieden, die Kosten für die Verabreichung eines Medikamentes durch eine Pflegekraft gegenüber der PKV durchsetzen wollte.

PKV kein Garant für Leistungsübernahme

[Berlin] In dem Beispiel aus Schleswig-Holstein hatte eine 90-jährige Rentnerin gegen ihre Versicherung geklagt, da diese sich weigerte, die Kosten für eine Medikamentenverabreichung zu übernehmen.

Die Kosten beliefen sich auf 9,02 Euro pro Medikamentengabe und insgesamt auf über 800 Euro. Die Frau argumentierte damit, dass in einer gesetzlichen Krankenversicherung eine Medikamentengabe durch einen Pflegeservice abgesichert sei.

Hier erklärte das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein jedoch, dass eine private Krankenversicherung nicht automatisch die gleichen Leistungen wie eine GKV absichert. Personen, die in der Lage sind, Versicherungstarife abzuschließen, sind demnach auch dazu in der Lage, diese zu verstehen. In dem speziellen Fall sah der Tarif aber nur vor, die Medikamentenkosten zu übernehmen und nicht das Verabreichen durch eine Pflegekraft.

Patienten müssen bei Leistungen besser hinschauen

In der privaten Krankenversicherung müssen die Versicherten besser darauf achten, welche Leistungen in ihrem Tarif abgesichert sind und welche nicht. Die Zeiten, in denen die Versicherten jegliche Rechnung auch ohne medizinische Notwendigkeit einreichten konnten, sind vorbei. Der PKV-Ombudsmann Klaus Theo Schröder sieht diese Entwicklung jedoch mit positiven Augen, denn für ihn ist dies ein klares Zeichen dafür, dass die PKV wieder mehr auf Qualität statt Quantität achtet.

Für Schröder führt diese Entwicklung wieder dazu, dass zwischen medizinischer Notwendigkeit und reiner kosmetischer Behandlungen besser unterschieden werden kann und nicht einfach jede Behandlung in der PKV als selbstverständlich angenommen wird. Aber auch die Versicherten sind seiner Meinung nach in der Pflicht, denn viele gehen seiner Meinung nach zu „blauäugig“ an eine private Krankenversicherung heran. Ein Beratungsgespräch mit einem Experten sollten jedem Wechsel in die PKV vorangehen.

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