PKV Unisex-Tarife: Lohnt sich der schnelle Tarif-Wechsel?

PKV Unisex-Tarife sind seit dem 1. März 2011 in aller Munde. Denn an diesem Tag hat der EuGH ein Urteil gefällt, das man aus Sicht der Versicherungsbranche ruhig als historischen Richterspruch bezeichnen darf. Hinter dem nichtssagenden Aktenzeichen C-236/09 verbirgt sich eine Entscheidung, welche auch die Private Krankenversicherung umkrempeln wird. Denn die Versicherer müssen bis Ende 2012 Unisex-Tarife in der Schublade liegen haben. Viele Versicherer und Makler malen bereits jetzt den Teufel an die Wand.

Schnell noch den Tarif wechseln

Und prophezeien Versicherten massiv steigende Beiträge in allen Individualversicherungen, in denen das Geschlecht bisher eine Rolle spielte.

Was ist aber dran an dieser Aussage? Berechtigter Hinweis oder Panikmache? Fakt ist, dass Männer bisher die Gewinner der Geschlechtertrennung waren. Aufgrund einer niedrigeren Lebenserwartung und der unwahrscheinlichen Schwangerschaft ist der PKV-Beitrag niedriger. Hier werden sich Neukunden auf Beitragssteigerungen einstellen müssen. Frauen werden von den neuen PKV Tarifen dagegen profitieren können.

Ein überstürzter und schneller Tarifwechsel in der PKV, um sich alte Vorteile zu sichern, ist aber alles andere als der Stein der Weisen. Denn in der privaten Krankenversicherung kann ein Schnellschuss sprichwörtlich zum Schuss nach hinten werden. Gerade unter dem Eindruck der aktuellen Infratest-Umfrage zur Zufriedenheit der Privatversicherten sollte man sich zweimal überlegen, ob man den Versicherungswechsel planlos und hastig oder in aller Ruhe vollzieht.

Klug und mit Köpfchen in die PKV

Denn ein Teil der Unzufriedenheit ist hausgemacht. Entscheidungen, die nur über den Beitrag gefällt werden, ziehen des Öfteren ein böses Erwachen nach sich. Hohe Beitragsanpassungen und mangelnde Leistungsfähigkeit sind nur 2 Beispiele für den Bumerang-Effekt. Wer sich vorschnell und ohne nachzudenken für den Wechsel in die private Krankenversicherung entscheidet, zahlt am Ende doppelt. Auf der einen Seite im Fall der Krankheit. Und auf der anderen Seite für den erneuten Versicherungswechsel.

Gesundheitsfragen und ein höheres Eintrittsalter machen die neue PKV unterm Strich teuer. Und wer heute vorschnell wechselt, aber erst 2013 erkennt, sich für den falschen Tarif entschieden zu haben, muss am Ende doch in einen der Unisex-Tarife eintreten. Der Grundsatz „drum prüfe, wer sich bindet“, gilt also auch in der privaten Krankenversicherung.

 

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