PKV Unisex-Tarife: Aktuarverband prüft Konsequenzen des EUGH-Urteils

Ab Ende 2012 müssen deutsche Versicherer sogenannte PKV Unisex-Tarife einführen. Diese Nachricht schlug vor einigen Wochen ein wie eine Bombe. Inzwischen hat sich der erste Ärger bei den Assekuranzen gelegt. Die Aktuare beschäftigen sich nunmehr intensiver mit den Folgen der Unisex-Tarife für die Private Krankenversicherung. In einer Pressemeldung hat die DAV (Deutsche Aktuarvereinigung e.V.) sich etwas eingehender mit dem Thema auseinandergesetzt.

Verlierer und Gewinner

Die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. findet in ihrer Analyse zu den Auswirkungen der Unisex-Tarife Gewinner und Verlierer.

Insbesondere jüngere Männer im Hauptzugangsalter der privaten Krankenversicherung müssten bei einer direkten Umsetzung des Urteils tiefer in die Tasche greifen. Frauen würden dagegen entlastet. Allerdings warnt die DAV davor, diese Aussage einfach zu pauschalisieren. Nicht alle weiblichen Versicherten der PKV würden entlastet.

Insbesondere ältere Versicherungsnehmerinnen im Bestand der privaten Krankenversicherung müssten Abstriche in Form steigender Beiträge in Kauf nehmen. Überhaupt sieht die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. eines der großen Probleme in der Zusammenführung von Neu- und Altverträgen. Hintergrund: Werden Neuverträge auf der Grundlage des EUGH-Urteils aufgelegt, haben Bestandskunden der PKV das Recht auf einen Versicherungswechsel.

Versicherungswechsel nach Unisex-Tarifen

Jeder Privatversicherte, dessen Prämie sich durch den Wechsel in einen der neuen Unisex-Tarife reduziert, würde diese Chance nutzen. Es käme daher zu massiven Verschiebungen innerhalb der Versicherungen. Probleme sieht die DAV auch bei einer Übertragung der neuen Regelungen auf bestehende Verträge. Hier wäre die juristische Sprengkraft massiv. In den Augen der Deutsche Aktuarvereinigung e.V. ist die Einführung der PKV Unisex-Tarife daher nicht unproblematisch.

Die DAV räumt in der Analyse auch mit einem alten Vorurteil auf. Viele Versicherte glauben, dass Männer in der PKV generell günstiger wegkommen. Laut Deutscher Aktuarvereinigung e.V. ist dies nur bis ca. 50 der Fall. Ab diesem Zeitpunkt kehrt sich die Situation um, ältere Frauen werden bei den Neuzugangsbeiträgen begünstigt. Welche Entwicklung die PKV letztendlich nehmen wird, ist nicht absehbar. Allerdings gibt die DAV mit der aktuellen Analyse einen Ausblick auf die Folgen der Unisex-Tarife.

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