PKV: Tarifwechsel nicht immer einfach

Viele Privatpatienten, die seit Jahren denselben Tarif haben, zahlen meist höhere Beiträge als notwendig. Und dies, obwohl der Wechsel in neuere und meist günstigere Tarife für Bestandskunden kein Problem ist, zumindest offiziell. Da die Prämien von Bestandskunden aber meist höher liegen als beim Einstieg in neue Tarife, versuchen die Versicherungsgesellschaften oft die Versicherten in den bisherigen Tarifen zu halten. Verbraucherschützer wollen Versicherte jetzt stärker unterstützen.

Versicherte haben Tarifwechselrecht

Viele Verbraucher wissen oft gar nicht, dass ein Wechsel innerhalb ihrer privaten Krankenversicherung ihr gutes Recht ist.

Sie können damit meist nicht nur Beiträge sparen, oftmals fällt gar eine neue Gesundheitsprüfung weg. Für viele langjährigen Kunden ist ein Wechsel der Versicherungsgesellschaft oft finanziell nicht lohnenswert, da bei einem Wechsel der Versicherungsgesellschaft die angesammelten Altersrücklagen nicht übernommen werden können und somit verfallen. Als Faustregel kann hier ein Zeitraum von rund sieben Jahren angenommen werden, danach ist ein Wechsel nichtmehr lohnenswert.

Wenn ein Versicherter bereits seit vielen Jahren in seiner Gesellschaft versichert ist und die Beiträge durch regelmäßige Erhöhungen das finanzielle Niveau übersteigen, ist es das Recht des Versicherten, ohne Nachteile und erneute Gesundheitsprüfung in einen anderen Tarif zu wechseln. Lediglich bei Tarifen mit mehr Leistung kann eine erneute Gesundheitsprüfung anstehen. Ein Private Krankenversicherung Rechner kann als erster Anhaltspunkt für günstigere Tarife dienen.

Unternehmen halten Versicherte hin

Da bei einem Tarifwechsel jedoch die gleichen Beiträge wie bei Neukunden angesetzt werden müssen, sind die Versicherungsgesellschaften nicht daran interessiert, wenn Bestandskunden wechseln möchten. Der Justiziar des Bundes der Versicherten (BdV) , Hajo Köster, erklärte dazu: „Wir haben immer wieder Fälle von Versicherten, die über Wochen und Monate versuchen, in einen anderen Tarif zu kommen.“ Diese Hinhaltetaktik hat laut Köster jedoch Erfolg. Wenn die Versicherungsgesellschaft nicht auf Schreiben reagiert oder angebliche Nachteile entstehen, kommen viele Verbraucher von ihren Plänen ab und bleiben in ihren bisherigen Tarifen.

Um derartige Fälle in Zukunft zu vermeiden, verlangt der BdV, dass in Zukunft Versicherungsgesellschaften ihr Kunden auf das Wechselrecht besser hinweisen und entsprechende Wechselvorschläge machen müssen. Inzwischen gibt es auch Unternehmen, die sich auf die Unterstützung von Versicherten spezialisiert haben und diesen bei der Suche und dem Wechsel behilflich sind.

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