PKV: SPD will Krankenversicherung umkrempeln

Derzeit ist der Krankenversicherungsmarkt in Deutschland zweigeteilt. Geht es nach dem neuen Konzept der SPD zur Bürgerversicherung, könnte der PKV bald nur noch das Geschäft mit den Zusatzversicherungen bleiben. Unter anderem über deutliche Veränderungen beim Beitrag wollen die Sozialdemokraten die gesetzliche Krankenversicherung wieder attraktiver machen. Und rechnen mit einer Wechselwelle von 50 bis 70 Prozent der PKV-Mitglieder.

Deutliche Entlastung der Beitragszahler

Erst zum 01. Januar 2011 hat die schwarz-gelbe Bundesregierung den Beitrag für alle gesetzlich Versicherten nach oben geschraubt.

Der allgemeine Beitragssatz stieg zum Jahreswechsel auf 15.5 Prozent, den Zusatzbeitrag einiger Krankenkassen nicht mitgerechnet. Die SPD will diese Beitragserhöhung für die Arbeitnehmer und Rentner wieder zurücknehmen. Und die Beitragszahler entlasten.

Medienberichten zufolge sieht das neue Konzept der Sozialdemokraten zur Bürgerversicherung eine Entlastung um 0,6 Prozentpunkte vor. Arbeitnehmer und Rentner sollen statt 8,2 in Zukunft nur noch 7,6 Prozent Beitrag in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen. Parallel sollen nach den Plänen der SPD auch Selbstständige, Beamte und Freiberufler in die Bürgerversicherung einbezogen werden. Und können aus der privaten Krankenversicherung binnen eines Jahres wechseln. Die Altersrückstellungen sollen dann aber den privaten Krankenkassen zufallen.

Arbeitgeber werden stärker belastet

Tiefer in die Tasche sollen dagegen die Arbeitgeber greifen. Hier plant die SPD in der Bürgerversicherung zwar keine allgemeine Anhebung des Beitragssatzes. Aber die Berechnungsgrundlagen sollen sich ändern. Bislang gelten 44.550 Euro Jahresgehalt als Beitragsbemessungsgrenze. Diese soll zumindest für die Arbeitgeber fallen. Damit würde der Beitrag von 7,08 Prozent, den die SPD vorsieht, auf das gesamte Jahreseinkommen umgelegt. Für den Beitrag der Arbeitnehmer bleibt die Beitragsbemessungsgrenze bestehen.

Konzept mit Fragezeichen

Durch die Unterschiede in der Beitragsbemessung würden Arbeitnehmer entlastet, während Arbeitgeber mehr in die GKV einzahlen. Allerdings bleibt die Frage, wie die SPD Privatversicherte zum Wechsel animieren will. Schließlich ist nicht allein der Beitrag ein Zugpferd. Etliche Privatversicherte haben sich für den Eintritt in die private Krankenversicherung aufgrund der Leistungen entschieden. Und bislang scheint dem Konzept der Bürgerversicherung genau hier ein entscheidender Hinweis zu fehlen.

 

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