PKV: Schwangerschaft keine Krankheit

Die private Krankenversicherung nimmt Neukunden genau unter die Lupe. Wer mit Vorerkrankungen in die PKV wechseln will, hat es daher teilweise schwer. Die Palette reicht von einer Ablehnung bis hin zu erheblichen Mehrkosten durch Risikoaufschläge. Schwangere Frauen können diesbezüglich allerdings aufatmen. Nach Ansicht des Landgerichts Aachen fällt die Schwangerschaft nämlich nicht unter die Rubrik Krankheit. Die private Krankenversicherung kann daher nicht ohne Weiteres einen Risikozuschlag verlangen.

Erfolgreiche Klage gegen Risikoaufschlag

Vor dem Landgericht Aachen hatte eine Privatversicherte geklagt, die aufgrund ihrer Schwangerschaft seitens der privaten Krankenversicherung mit einem Risikoaufschlag belastet wurde.

Die Richter am Landgericht Aachen sahen diese Tatsache anders. Und urteilten daher im Sinne der Klägerin. Nach dem Urteil des Landgerichts darf eine Schwangerschaft, selbst wenn sie bereits beim Eintritt in die private Krankenversicherung besteht, nicht als Krankheit gewertet werden.

Für die Versicherungen ist das Urteil eine Niederlage. Denn obwohl Schwangere nicht mit einem Risikoaufschlag belegt werden dürfen, müssen die Versicherer für die Kosten aufkommen. Und die Gesundheitskosten für eine Schwangerschaft sind alles andere als ein Pappenstiel. Vorsorgeuntersuchungen, der Aufenthalt im Krankenhaus und die Nachsorge belasten die privaten Krankenversicherer.

Wegweisendes Signal aus Aachen

Für werdende Mütter aus dem Kreis der Privatversicherten ist das Urteil aus Aachen dagegen ein positives Signal. Auf der einen Seite sorgen die Richter damit für eine gewisse Gleichstellung der Frauen gegenüber den männlichen Versicherten. Und auf der anderen Seite ist der Richterspruch auch von finanzieller Bedeutung. Risikoaufschläge können unter Umständen bei schweren Vorerkrankungen dazu führen, dass der Beitrag zur PKV um 100 Prozent ansteigt, sich als verdoppelt. Und zur finanziellen Bürde für die Betroffenen wird.

Wer sich nach dem erleichterten Wechselrecht seit Anfang des Jahres für den Eintritt in die private Krankenversicherung entscheidet, sollte diese Tatsache im Hinterkopf behalten. Insbesondere ältere Neukunden mit chronischen Erkrankungen müssen damit rechnen, stärker als geplant belastet zu werden. Es besteht sogar die Gefahr der Leistungsverweigerung für die Kostenerstattung von Aufwendungen für Vorerkrankungen.

 

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