PKV richtet neue Abrechnungsstelle für Medikamentenrabatte ein

Mit Jahresbeginn ist im Rahmen der Gesundheitsreform auch das „Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes“ in Kraft getreten. Dieses Gesetz ermöglicht insbesondere den gesetzlichen Krankenkassen, Rabatte für Arzneimittel zu verhandeln und so Einsparungen zu erzielen. Gesundheitsminister Philipp Rösler beschäftigte sich bei der Ausarbeitung des Gesetzes jedoch nicht nur mit den gesetzlichen, sondern auch mit den privaten Krankenversicherungen (PKV). Auch hier wird immer deutlicher, dass die Ausgaben für Medikamente einen großen Posten einnehmen und damit hohe Kosten verursachen.

Einsparungen sollen Patienten zu Gute kommen

Daher sieht das neue Gesetz jetzt vor, dass bei Verhandlungen mit Pharmaherstellern auch Vertreter der PKV zugegen sein dürfen. Diese können für ihre jeweiligen Kassen so ebenfalls Einsparungen erzielen. Diese Einsparungen sollen nach dem Willen von Gesundheitspolitiker Jens Spahn von der CDU jedoch nicht in die Taschen der Krankenversicherungen, sondern direkt an die Versicherten fließen.

Zentrale Stelle überwacht Weitergabe der Medikamentenrabatte an Patienten

Um zu überprüfen, ob die Einsparungen tatsächlich an die Versicherten weitergegeben werden, wurde jetzt die „Zentrale Stelle zur Abrechnung von Arzneimittelrabatten“ mit Sitz in Köln ins Leben gerufen. Die Abrechnungsstelle soll nun die im Rahmen der Verhandlungen ausgehandelten Rabatte von den Arzneimittelherstellern zurückverlangen. Eine direkte Abrechnung in den Apotheken ist derzeit technisch noch nicht möglich.

Für die Versicherten selbst gibt es durch das neue Gesetz sowie die neue Abrechnungsstelle keine Änderungen. Sie bezahlen in den Apotheken den Preis für das jeweilige Medikament und reichen die Quittung dann an ihre Versicherung zwecks Rückerstattung ein. Die Versicherung jedoch kann die ausgehandelten Rabatte über die neue Abrechnungsstelle einfordern.

Noch keine Empfehlung des PKV-Verband

Aktuell gibt es noch keine konkreten Regelungen, wie die Versicherungen mit den erzielten Rabatten umzugehen haben. Sie können diese unter anderem für die Senkung von Beiträgen, aber auch für deren Stabilisierung einsetzen. Da auch eine Empfehlung des PKV-Verbandes fehlt, muss jedes Unternehmen für sich selbst entscheiden, wie mit den Mitteln umzugehen ist. In jedem Fall muss gewährleistet werden, dass die Gelder den Versicherten zugute kommen.

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