PKV: Privatpatienten deutlich teurer als gesetzlich Versicherte

Deutschland Gesundheitssystem hat unter massiven Kosten zu leiden. Eine Tatsache, die seit Monaten für heftige Debatten sorgt. Auf der einen Seite treiben die Aufwendungen den Beitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung nach oben, wie zuletzt Anfang des Jahres. Wesentlich deutlicher bekommen aber Privatpatienten der privaten Krankenversicherungen die Kostenschraube zu spüren. Experten kritisieren vor allem den Wildwuchs im Bereich der Diagnostik, welcher die Ausgaben in der PKV massiv nach oben treibt.

Experten : Mehrausgaben der PKV in Milliardenhöhe

Wie hoch sind die Mehrausgaben im System der PKV?

Eine Frage, der sich das Wissenschaftliche Institut des PKV-Verbandes gewidmet hat und zu einem eindeutigen Ergebnis kommt. Laut Frank Wild liegen die Ausgaben für die Privatversicherten um ca. zehn Milliarden höher als für gesetzlich Versicherte. Damit muss der Privatpatient deutlich tiefer in die Tasche greifen als ein vergleichbarer Patient aus den Reihen der GKV. Als Beispiel führt das Wissenschaftliche Institut unter anderem die Pro-Kopf-Laborkosten aus dem Jahr 2008 an.

Hier fielen für einen gesetzlich Versicherten gerade einmal 28 Euro über das gesamte Jahr an.  Für einen Privatversicherten musste die PKV unterm Strich 129 Euro auf den Tisch legen. Dies entspricht rund dem Vierfachen der Kosten, welche die GKV schultern musste. Anhand dieser Zahl wird deutlich, warum in der privaten Krankenversicherung die Kostenschraube sich immer schneller zu drehen beginnt und auch die Prämien teilweise massiv angepasst werden müssen.

Überversorgung bei Privatversicherten

Wo liegen aber die Gründe für die massiven Unterschiede? Einer der wichtigsten Faktoren: Mit Privatpatienten verdienen Ärzte wesentlich mehr Geld als mit gesetzlich Versicherten. Mediziner und Labore können die Kosten direkt und ohne Beschränkung gegenüber den Versicherten der PKV geltend machen. Eine Tatsache, die verlockende Anziehungskraft entfaltet. Denn jede Behandlung bringt mehr Geld in die Kasse.

Untersuchungen lohnen sich für die Leistungserbringer eher und werden nach Ansicht mancher Experten auch verordnet, wenn deren therapeutischer Nutzen fraglich ist. Wie ließe es sich sonst erklären, dass zum Beispiel nur die Hälfte der 2009 gemachten Kernspintomografie-Bilder wirklich einen Nutzen für die Therapie der Patienten ergeben hat?

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