PKV-Ombudsmann: Versicherte beunruhigt wegen Neugier der Versicherer

Immer mehr privat Versicherte wenden sich an die neutrale Beschwerdestelle der privaten Krankenversicherung (PKV). Viele suchen den Weg zum Ombudsmann, weil sie verunsichert sind, inwieweit die Versicherungsgesellschaften Einsicht in ihre Patientenakte nehmen dürfen.

Tätigkeitsbericht des Ombudsmanns

Aus dem Tätigkeitsbericht 2011 des Ombudsmanns der privaten Kranken- und Pflegeversicherung geht hervor, dass die Anzahl der Beschwerden von Privatpatienten bei der PKV-Beschwerdestelle zunimmt. Waren es im Vorjahr noch 5.964 Anfragen, die beim Ombudsmann eingingen, so stieg diese Zahl im Jahr 2011 auf 6.511 Beschwerden. Zahlreiche privat Versicherte fragten bei der Beschwerdestelle an, inwieweit es ihrer Krankenversicherung überhaupt gestattet ist, Auskünfte bei ihrem behandelnden Arzt einzuholen. Viele zeigten sich verunsichert bezüglich der Rechte ihrer Krankenversicherung.

Neugier der Gesellschaften verunsichert PKV-Kunden

Viele Kunden der PKV zeigten sich irritiert über die Neugier ihrer Versicherungsgesellschaft. Vor allem die Anfragen zu dem Recht der Gesellschaften, Einsicht in die jeweilige Patientenakte zu nehmen, mehrten sich im vergangenen Jahr beim PKV-Ombudsmann. Zudem beschäftigte die Kunden die Erklärung zur Schweigepflichtentbindung. PKV-Kunden fühlten sich ihrer Versicherung gegenüber entblößt und vermuteten einen Eingriff auf ihr Recht zur informationellen Selbstbestimmung.

Bewusstsein für empfindliche Gesundheitsdaten

„Die steigende Zahl der Beschwerden, die sich gegen Ablehnungen von Leistungen richtet, weil die medizinisch notwendige Heilbehandlung nicht durch entsprechende ärztliche Berichte nachgewiesen werden konnte, zeugt von einem steigenden Bewusstsein der Versicherungsnehmer für den Umgang mit ihren Gesundheitsdaten“, heißt es im Tätigkeitsbericht 2011 des PKV-Ombudsmanns. Die PKV-Kunden wüssten oft nicht, in welchem Ausmaß sie ihrem Versicherer Auskünfte über ihre Gesundheit und ärztliche Behandlungen schulden.

Prüfung der Versicherer häufig berechtigt

Offenbar machen immer mehr Versicherungsunternehmen ihre Leistungserbringung von der Einsicht in die ärztlichen Behandlungsunterlagen ihrer Kunden abhängig. In dem Bericht des Ombudsmanns heißt es, der Versicherte müsse damit rechnen, dass die Gesellschaft teilweise oder sogar vollständig von einer Leistungspflicht befreit werden kann, falls der Versicherungsnehmer nicht dazu bereit ist, eine Schweigepflichtenentbindung zu erteilen. In Zweifelsfällen kann der PKV-Ombudsmann prüfen, ob ein Eingriff in ihre Privatsphäre vorliegt.

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