PKV: Nichtzahlertarif für Beitragssäumige

Der PKV-Verband setzt sich für die Einführung eines separaten Tarifs für Versicherte ein, die ihre Krankenversicherungsbeiträge nicht zahlen. In einem nicht öffentlichen Expertengespräch im Ausschuss für Gesundheit wurde ein Nichtzahlertarif in Höhe von monatlich 100 Euro gefordert.

Nach Angaben des PKV-Verbandes haben die privaten Krankenversicherer es mittlerweile mit rund 144.000 säumigen Kunden zu tun, die bereits drei Monate oder länger keine Beiträge mehr gezahlt haben. Da diese seit der Einführung der Versicherungspflicht im Jahr 2009 nicht mehr gekündigt werden dürfen, verursachten die Nichtzahler laut Verband bisher einen Schaden von 550 Millionen Euro. Die PKV plädiert aus diesem Grund für einen eigenen Tarif für säumige Versicherte. Anders als in der GKV darf die PKV die Beitragsausfälle nicht auf die zahlenden Kunden umlegen, sondern muss den Verlust durch Unternehmensmittel ausgleichen.

Basistarif keine Lösung für Nichtzahler

Momentan werden privat Versicherte, die ein Jahr lang keine Beiträge mehr gezahlt haben, automatisch in den Basistarif der PKV eingestuft. Dieses Vorgehen hat jedoch einen weiteren Nachteil, auch für die Betroffenen: Da der Beitragssatz im Basistarif sich auf etwa 600 Euro pro Monat belaufen kann, wäre ein weiterer Anstieg der Schulden des Versicherungsnehmers die Folge, so der PKV-Verband im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages.

Nichtzahlertarif für Grundversorgung

Weil das Expertengespräch zum Thema Nichtzahlertarif in der letzten Woche unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, wollte der PKV-Verband sich gegenüber Medienvertretern nicht weiter zu dem Ablauf der Anhörung äußern. Nach eigenen Angaben befasst sich eine Arbeitsgruppe des Verbandes jedoch seit längerem mit der Frage, wie ein künftiger Nichtzahlertarif aussehen könnte. Wie der Pressedienst des Deutschen Bundestages berichtet, schlug der PKV-Verband im Gespräch einen Tarif für säumige Privatversicherte vor, der 100 Euro pro Monat kosten soll. Dafür würde die PKV dann nur noch die Kosten für Notfallbehandlungen übernehmen. Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband befürwortete in der Anhörung des Gesundheitsausschusses die Einführung eines Nichtzahlertarifs. Allerdings, so der Verband, wäre dadurch noch keine Lösung für die Begleichung der Beitragsschulden gefunden.

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